Militärische Lehren aus dem Yom-Kippur-Krieg

Von Lothar Ruehl

Die Atlantische Allianz blickt zurück auf drei Wochen Krieg im Nahen Osten – einen Krieg, der reich war an Überraschungen und Lehren. In mancher Hinsicht stellt er sich als ein Abschluß dar – zum Beispiel, was die Panzerschlachten in Frontalangriffen und großen Konzentrationen angeht; in anderer Hinsicht war er ein Übergang zu neuen Formen und Methoden der Kriegführung.

Rüstungshilfe und Waffenzufuhr als Mittel der Politik außerhalb der Allianzen haben sich auf beiden Seiten als Faktoren der Sicherheitslage in Europa erwiesen. Der Nahe Osten und das östliche Mittelmeer können nach diesem Krieg strategisch und sicherheitspolitisch nicht mehr von Europa abgetrennt werden.

Diese Erkenntnis ist nicht neu; sie hatte seit Mitte der fünfziger Jahre schon in verschiedenen Allianz-Papieren ihren Niederschlag gefunden. Aber in den strategischen Nachschubluftbrücken von Amerika und Europa nach Nahost wurde sie mit Eklat bestätigt. Diese logistische Intervention der Weltmächte in den Krieg haben für deren Verbündete in Europa eine besondere Bedeutung; beide Bündnisgebiete wurden als Versorgungsräume und Stützpunkte benutzt.

Die Sowjetunion stützte sich dabei anfangs anscheinend nur auf ihr eigenes Staatsgebiet und Waffenvorräte ihrer Streitkräfte, nahm allerdings Luftstützpunkte in Ungarn schon von Anfang an in Anspruch, überflog den jugoslawischen, den griechischen, den türkischen und iranischen Luftraum (den letzteren allerdings nur mit zivilen Aeroflot-Flugzeugen zum Nachschub in den Irak und von dort nach Syrien). Damit war aber Mittel- und Südosteuropa vom ersten sowjetischen Transportflug am fünften Kriegstage an in den weiteren Konfliktraum eingeschlossen.

Nachschublager Europa