• Die Bundesregierung hat das 1971 verkündete Steuerreformpaket aufgeschnürt und lediglich Teillösungen vorgeschlagen. Kann man da überhaupt noch von einer zusammenhängenden Steuerreform sprechen?

Zettel: Die Bundesregierung wendet leider in der Steuerreformdiskussion eine Salamitaktik an, bei der vielleicht noch von einzelnen zusammenhängenden Reformschritten, aber nicht mehr von einer in sich abgeschlossenen großen Steuerreform die Rede sein kann. Sie hat darüber hinaus wiederholt ihre eigenen Eckwerte korrigiert, und es ist zu befürchten, daß die jetzt beschlossenen Regelungen wegen offenkundiger Ungereimtheiten erneut revidiert werden.

  • Sehen Sie noch eine Chance, das gesamte Steuersystem zu vereinfachen, etwa durch Abschaffung der Zwergsteuern? Zeitel: Gewiß ist eine reelle Chance gegeben, das gesamte Steuersystem zu vereinfachen. Die bisherigen Regierungsvorschläge entsprechen dieser einen Hauptforderung überwiegend nicht, sondern bedeuten sogar weitere Komplizierungen. Dabei geht es nicht nur um die Frage der Abschaffung von Zwergsteuern, sondern vordringlich um einen vereinfachten Gesamtaufbau des Systems.
  • Die Reform der Gewerbesteuer, von Fachleuten dringend gefordert, scheint nicht mehr ernsthaft diskutiert zu werden. Betrachten Sie das als einen großen Mangel?

Zeitel: Die Reform der Gewerbesteuer stellt aus meiner Sicht das politisch dringendste, zugleich aber auch schwierigste Reformvorhaben dar. Keine andere Abgabe ist mit größeren Mängeln behaftet als die Gewerbesteuer; und keine andere Abgabe paßt so wenig in ein modernes Steuersystem. Quantitativ stellt die Gewerbesteuerreform den bedeutsamsten Akt im möglichen Umbau unseres Abgabensystems dar. Leider weicht die Regierung in diesem wichtigen Punkt in nebelhafte Absichtserklärungen aus und verbaut Deckungsmöglichkeiten des Ausfalls.

  • Glauben Sie, daß sich die Vermögensbildung mit der Steuerreform koppeln läßt, wie das die Regierung anstrebt?

Zeuch Zwischen möglichen Maßnahmen einer besseren Vermögensbildung in breiten Bevölkerungskreisen und Steuerreformmaßnahmen bestehen beachtliche Zusammenhänge (zum Beispiel Abzugsfähigkeit von Sparbeträgen bei der Einkommensteuer, Höhe der Sparprämien, Körperschaftsteuerreform). Wie eng die Verkoppelung ist, hängt entscheidend ab vom Inhalt der Vermögenspläne. je mehr bei der Vermögensbildung Zwang angewandt wird, um so enger sind die Beziehungen. Und offensichtlich gehen die Regierungsvorschläge in die Richtung, zu diesem Zweck weitere Abgabepflichten zu begründen.

  • Wird die CDU etwas unternehmen, um die Steuerreform voranzutreiben?

Zettel: Die CDU ist dabei, ihre Überlegungen zur Steuerreform zu einem Gesamtkonzept zu verdichten, Sie wird bemüht sein, die Gesamtreform voranzutreiben, die im Einklang steht mit ihrer wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Grundkonzeption. Sie wird danach auch ihre Stellung zu den Regierungsvorschlägen beraten. smi