Ahnungslos betrat Artur Neumann, Generaldirektor der Hanauer Versandfirma Schwab AG, das Hotel „Frankfurter Hof“ in Frankfurt. Eine Viertelstunde später verließ er das Haus – als Gefeuerter. Neumann: „Es traf mich völlig unvorbereitet.“

Die Feuer-Botschaft überbrachte ein Abgesandter von Donald P. Kircher, Präsident der New Yorker Nähmaschinen- und Handelsgruppe Singer, die am Kapital des viertgrößten deutschen Versandhandels-Unternehmens die Mehrheit besitzt. Über die Gründe des überraschenden Rausschmisses sagte der Emissär aus USA ein einziges Wort: „Sorry.“

Warum er gegangen wurde, weiß der 55jährige Neumann bis heute nicht. Der im Neu-isenburger Domizil über die Fortsetzung seiner Karriere nachsinnende Handels-Manager: „Ich habe mich bis zur physischen Erschöpfung eingesetzt und bin auch erfolgreich gewesen.“

Erfolge hatte der vor seinem Schwab-Engagement beim Hamburger Otto-Versand tätige Neumann in der Tat nicht im Schongang erzielt. Als er Anfang 1969 an die Spitze des Unternehmens trat, startete er nicht etwa nur am Nullpunkt, sondern erheblich hinter der Startlinie: mit einem Verlustvortrag von 45 Millionen Mark. In die Tiefe hatte das Versandhaus vor allem das waghalsige Engagement seines Gründers Friedrich Schwab im Warenhausgeschäft gerissen. Die Bruchlandung vermied der ehemalige Jagdflieger durch den Verkauf an den Singer-Konzern, der bei Schwab heute zu mehr als 95 Prozent beteiligt ist.

Neumanns Konzeption: Rückbesinnung auf den reinen Versandhandel und Amputation des kostspieligen Stationärgeschäfts. Schwabs fünf „Mehrwert“-Selbstbedienungswarenhäuser verkaufte er für 10,6 Millionen Mark an den Frankfurter Lebensmittel-Finalisten Latscha. Sein überwiegend auf konjunkturanfälligen Textilien aufgebautes Sortiment ergänzte er durch ein gesondertes Möbelangebot. Zwar kam das Unternehmen nur langsam aus der Talsohle; doch der neue Generaldirektor schaffte es, bis 1972 (Schwab-Umsatz: 407 Millionen Mark) den Verlustvortrag auf 15,5 Millionen Mark abzubauen.

Der geschaßte Chef, der nach seinem „Gespräch im Frankfurter Hof“ unverrichteterdinge seinen Schreibtisch räumte, hat nur einen Trost: Bis Mitte 1975, dem vertraglichen Ende seiner Dienstzeit, erhalt er noch sein Generaldirektoren-Gehalt. Eg.