Mit ihrem Hilferuf an die Europäische Kommission haben die elf führenden Unternehmen der Luftfahrtindustrie der Europäischen Gemeinschaft, unter ihnen Dornier und Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) bei den Brüsseler Bürokraten offene Türen eingerannt. Schon im Juli des vergangenen Jahres hatte der für die Industriepolitik der Gemeinschaft zuständige EG-Kommissar, Spinelli, dem Ministerrat ein Memorandum mit Vorschlägen für die Formulierung einer gemeinsamen Politik auf diesem Sektor zugeleitet. Die Beratung der Vorschläge ist allerdings über die Prüfung durch Sachverständigengruppen des Ministerrats nicht hinausgekommen.

Die europäische Luftfahrtindustrie beschäftigt derzeit 412 000 Personen. Ein großer Teil der Arbeitsplätze ist jedoch durch die amerikanische Konkurrenz bedroht. 1965 waren noch 30 Prozent aller in Europa eingesetzten Flugzeuge europäische Fabrikate. 1970 waren es nur noch 26 Prozent und in zwei Jahren werden es nur noch 24 Prozent sein.

Aus eigener Kraft glauben Europas Flugzeugbauer gegen die US-Riesen nicht durchhalten zu können. Auf Gemeinschaftsebene sollte eine Harmonisierung, Kreditbedingungen und der Kreditversicherung erreicht werden, um den Verkauf von Flugzeugen zu erleichtern. Außerdem sollte sich die Gemeinschaft gegenüber der US-Regierung dafür einsetzen, daß alle Steuer- und Zollhürden für Europas Flugzeuge auf dem US-Markt beseitigt werden. hhb