Wenn man die Konten eines Fließbandarbeiters mit denen des Fabrikbesitzers vergleicht, dann hinterläßt das Wort „gerecht“ einen fast kriminellen Nachgeschmack. Die Frage nach gerechterer Umverteilung stellt sich zwangsläufig. Aber: Ich glaube, daß wir für eine egalitäre Einkommensverteilung noch (lange) nicht reif sind.

Denn wenn alle annähernd gleich viel verdienten, müßte jeder einzelne sich in gleichem Maße für das Gemeinwohl (Staat) verantwortlich fühlen und auch tätig engagieren, bisweilen unter Zurückstellung persönlicher Ansprüche.

Heute engagieren sich unsere Spitzenverdiener, sie treiben die Wirtschaft voran, tragen Verantwortung. Das sollte niemand verkennen. Aber sie tun es, weil ungeheure materielle Gewinne auf sie warten. Gewinne in dieser Höhe allen Bürgern zukommen zu lassen, ist volkswirtschaftlich unmöglich. Das Bestreben muß (ab sofort) dahingehen, Spitzeneinkommen abzubauen, Hungerlöhne anzuheben und ein politisches Verantwortungsbewußtsein bei allen Bevölkerungsschichten zu wecken. Bei egalitärer Einkommensverteilung muß das, was heute aus Profitsucht geschieht, aus Verantwortungsbewußtsein geschehen, weil finanzielle Anreize fehlen. Ernst Mader, 20 Jahre

Die moralische Forderung nach einer gerechten Einkommensverteilung in einer industriell produzierenden und verwalteten Gesellschaft kann gestellt, diskutiert, debattiert werden, realisiert werden kann sie aber nur auf Kosten des Leistungsprinzips. Damit wäre früher oder später ein Wandel der Gesellschaftsstruktur verbunden. Die Interessen der Machthabenden allerdings sind anders orientiert und werden wohl kaum eine nähere Betrachtung dieses Problems zulassen – jedenfalls im Moment noch nicht!

Gabie Nies, 20 Jahre

Solange es Ausbeuter und Ausgebeutete gibt, wird es nie eine gerechte Verteilung der Einkommen geben.

Kriterien zur Festsetzung der Einkommenshöhe wie Länge und Kosten des Ausbildungsweges, gesellschaftliche Wertschätzung (ein Arzt hat ein besseres Image als ein Fließbandarbeiter) zeigen deutlich, daß nicht danach beurteilt wird, welchen Beitrag die unterschiedlichen Arbeitsgebiete zur Weiterentwicklung der Gesellschaft leisten. Es drängt sich die durch die kapitalistische Warenproduktion verursachte Trennung zwischen Hand- und Kopfarbeit auf. Die Arbeitsteilung führte zur Entfremdung des Menschen von seiner Arbeit, dem Produkt seiner Arbeit und von seinen Mitmenschen. Eine Identifikation mit dem Produkt wird unmöglich. Die Arbeit wird vielmehr zum rein geldorientierten Faktor des Lebens. Arbeit sollte aber primär ein schöpferischer