Wenn es darum geht, daß dem Sport geholfen werden muß, sehen selbst Vereinsmeier in ihrer heilen Welt zwischen Stammtisch und Stiftungsfest eine enge Verbindung des Sports zur Politik. Und das ist eindeutig zu wenig, erklären die Repräsentanten der Dachorganisation seit geraumer Zeit und versuchen, ihrem 12-Millionen-Fußvolk gesellschaftspolitisches Bewußtsein einzuimpfen.

Zu wenig ist allerdings auch, was die Partner von der anderen Seite in die Waagschale zu werfen haben. Ihre immer betont freundlichen und bei vielen Gelegenheiten verbreiteten Pflichtnoten zum Ruhme und zur Förderung der guten Sache scheinen dazu verdammt, in dicken Aktenordnern besseren Tagen entgegenzugilben.

Die Kluft zwischen Wunschvorstellung und bundesdeutscher Sportwirklichkeit wurde erst kürzlich wieder aufgedeckt, als sich in der evangelischen Akademie Tutzing beauftragte Funktionäre, berufene Bundestagsabgeordnete und Regierungsvertreter und interessierte Normalverbraucher mit dem Thema „Sportpolitik in der Bundesrepublik“ beschäftigten. In Bestandsaufnahmen, Forderungen und Erklärungen wurde viel Gemeinsamkeit demonstriert. Selbst hin und wieder hitzige Diskussionen ließen klar erkennen, daß die kleinen Meinungsverschiedenheiten sozusagen technisch untergeordneter Natur sind, ja, sein müssen; Man ist für den Sport, wie man für den Frieden ist, ernstzunehmende Gegner scheint es nicht zu geben.

Den Parteien des deutschen Bundestages bestätigte beispielsweise der Gießener Student Willibald Weichen in einer Analyse der verschiedenen Sportprogramme fast völlige Übereinstimmung. Darüber hinaus bescheinigte man sich gegenseitig, daß beim vielzitierten sportlichen Stellenwert in der Gesellschaft endlich Aufwärtstendenzen festzustellen seien und bestärkte sich in der Hoffnung, dies auch bald im Grundgesetz anerkannt zu finden.

Die Tutzinger Tagung rief zum soundsovielten Male in Erinnerung, daß ein von Sport und Politik gemeinsam gesungenes Klagelied lediglich der öffentlich registrierten Bestätigung dient, mal wieder seinen Pflichtbeitrag entrichtet zu haben. Das aber bewahrt nicht davor, beim nächsten Akt der Selbstbeweihräucherung erneut am Punkt Null der gesellschaftspolitischen Einstufung zu beginnen. Solange die sportlichen Interessenvertreter mit dem Bettelstab an die Tür des Partners klopfen, kann der in der Tat größeren Kraftaufwand getrost durch Lippenbekenntnisse ersetzen. Harald Pieper