Während sich die UN-Sicherheitstruppe an den nahöstlichen Waffenstillstandslinien einrichtet, trafen sich israelische und arabische Offiziere am Sonntagmorgen zum erstenmal seit siebzehn Jahren zu einem Gespräch. Die zweistündige Begegnung bei der Hafenstadt Suez hatte, ebenso wie zwei weitere Treffen am Sonntag und Montag, militärisch-technische Fragen zum Inhalt: den Verlauf der Waffenstillstandslinie und den Transport von Wasser, Lebensmittel! und Medikamenten zu den eingeschlossenen Teilen der 3. ägyptischen Armee.

Der frühere israelische Generalstabschef Bar-Lev warnte seine ägyptischen Gesprächspartner davor, daß eine Fortsetzung der Ausbruchsbemühungen die Hilfe für diese auf 20 000 Mann geschätzten Truppen an westlichen Rande der Sinai-Halbinsel gefährden würde.

Nach israelischen Angaben werden die eingekesselten Verbände auf „eindringlichen, besonderen Wunsch“ der Vereinigten Staaten versorgt, womit Washington zunächst zu erreichen sucht, daß die Truppen nicht infolge der Notlage formell kapitulieren müssen.

Die israelische Ministerpräsidentin Golda Meïr bezeichnete diese ersten direkten Begegnungen, die unter der Schirmherrschaft der UN-Friedenstruppe standen, als „einen Anfang“; Israel habe sie angeregt und sei „sehr zufrieden“. Frau Meïr gab sich überzeugt, daß „realistische Möglichkeiten“ für weitere direkte Kontakte zwischen beiden Seiten bestünden.

Blauhelme aus Zypern

Der Beschluß des Sicherheitsrates, eine Friedenstruppe der Vereinten Nationen zu entsenden, beseitigte am Freitag voriger Woche die Besorgnis, der Konflikt im Nahen Osten entwickele sich möglicherweise zu einer direkten amerikanisch-sowjetischen Konfrontation. Präsident Nixon hatte am Donnerstag US-Streitkräfte im eigenen Land und in Übersee, darunter auch in Deutschland, auf einer niederen Alarmstufe in Bereitschaft versetzt. Grund dafür war die angebliche sowjetische Erwägung, einseitig Truppen in den Nahen Osten zu schicken, nachdem Washington auf einen Appell des ägyptischen Staatspräsidenten Sadat zur Entsendung sowjetischer und amerikanischer Soldaten nicht eingegangen war.

Die Gefahr schien gebannt zu sein, als der Sicherheitsrat am Donnerstag nachmittag voriger Woche auf Antrag der sogenannten blockfreien Staaten Guinea, Indien, Indonesien, Kenia, Panama, Peru, Sudan und Jugoslawien beschloß, eine internationale Truppe der „Blauhelme“ ins Krisengebiet zu senden. Sie soll dem Sicherheitsrat unterstellt werden. Der chinesische Delegierte Tschiao Kuan-hua enthielt sich der Stimme. Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates – die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion, England, Frankreich und China – sollen an dieser Truppe nicht beteiligt werden.