Die Universitäten nutzen die vorhandenen Ausbildungskapazitäten nicht aus

Karl Josef Uthmann, Bildungsexperte beim Bundesverband der Deutschen Industrie, fand harte Worte der Kritik: „Wenn die Industrie ihre Geräte so schlecht nutzen würde wie die Hochschulen ihre Kapazitäten, so wäre sie längst pleite.“ Der kaum an Profitdenken und Gewinnmaximierung orientierte SPD-Abgeordnete Karl-Heinz Hansen vom linken Flügel seiner Fraktion kam zu nicht minder scharfer Uni-Schelte: „Was gemacht wird, das ist unökonomisch.“ Die Ursache für den Expertenzorn: Die deutschen Universitäten nutzen die vorhandenen Ausbildungskapazitäten nicht aus.

In der Tat scheint für Universitäten, technische Hochschulen und viele Akademien in der Bundesrepublik Kostendenken ein Fremdwort zu sein. Milliarden Steuergelder fließen Jahr für Jahr in Bildung und Wissenschaft und werden dort nur mangelhaft genutzt.

Wie großzügig Rektoren, Kanzler und Dekane mit Steuergeldern umgehen, zeigt ein Beispiel von der Kölner Universität. Das Institut für Pharmakologie wurde vor Jahren mit Millionenaufwand auf einen Professor zugeschnitten, den Köln unbedingt haben wollte. Der Gelehrte freilich verstarb so früh, daß er die teuren Einrichtungen selbst kaum nutzen konnte. Sein Nachfolger ließ lange auf sich warten; mindestens zwei Semester lang wurden die kostspieligen Einrichtungen so unzureichend genutzt, daß selbst das Institutspersonal über Unterbeschäftigung klagte.

Kompetenzstreitigkeiten, professorale Eitelkeit und Eifersüchteleien, mangelhafte Budgetplanung, Fehlleistungen bei Raumdisposition und Stundenplänen sind in den überfüllten Unis an der Tagesordnung. Der Haushaltsausschuß des Bundestages ging deshalb jetzt mit den Hochschulen hart ins Gericht. Man hatte festgestellt, daß die medizinischen Fakultäten die Zulassungsbeschränkung zu leichtfertig handhaben: Inzwischen werden weniger Studienanfänger als früher zugelassen, obwohl mehr Staatsgelder in diesen Wissenschaftszweig fließen.

Bildungsstaatssekretär Karl Fred Zander machte die Zweifel offiziell: „Die Ausbildungskapazität in der Medizin ist möglicherweise größer als die Studentenzahl.“ Von 1963 bis 1972 ist die Zahl der Medizinstudenten nämlich nur um 32 Prozent gestiegen, die Ausgaben für die Fakultät des Hippokrates haben sich dagegen vervierfacht.

Der Ausschuß entschloß sich deshalb zur Härte: Wenn mit den wachsenden Haushaltsmitteln für den Hochschulbau nicht eine Vergrößerung der Unterrichtskapazitäten verbunden wird, wollen sich die Abgeordneten künftig bei Finanzbewilligungen sperren.