Von Wolfram Siebeck

Wenn man alle bekannten Fakten zusammenzählt, habe ich größere Chancen als andere Leute, ein Ufo bei der Landung zu beobachten. Denn wo immer eine fliegende Untertasse runtergekommen ist, immer landete sie in der stillen Natur. Und wenn nicht Angler, Jäger oder Pilzsammler, also Einzelgänger mit ausgeprägter Phantasie und großer Vorstellungskraft, wenn also mir ähnelnde Menschen nicht zufällig vorbeigegangen wären, wüßten wir nichts von den außerirdischen Lebewesen.

Nie landet nämlich ein Ufo auf einem Flugplatz; das war schon vor dem Bummelstreik der Fluglotsen so. Aber die Wälder und Wiesen hier – und ich mitten drin – sind ideale Landeplätze für die Außerirdischen. Erinnern Sie sich noch an die beiden Angler am Mississippi? Die saßen mutterseelenallein und angelten, als das Ufo landete. Die beiden wurden hereingebeten und Photographien. Später beschrieben sie die Fremden als häßlich, mit Glotzaugen und so weiter, und an Stelle der Hände hätten Sie Krebsscheren gehabt. Man mag gegen Angler einwenden, was man will, aber von Krebsen verstehen sie mehr als die meisten von uns.

Übrigens esse ich Krebse besonders gern. Lecker, lecker! Wenn die Glotzäugigen frech werden, kommen sie in kochenden Wurzelsud! Menschen wie du und ich sind sie ja nicht. Eher eine Art von fliegenden Viktualien aus dem Sternbild des Krebses. Sollten sie aus dem Sternbild des Steinbocks heranreisen, könnte man sie wie eine Hammelkeule zubereiten: mit Rosmarin und viel Knoblauch. Oder Fische! Fliegende Fische gibt es sogar auf der Erde. Warum nicht auch im Himmel?

Science-fiction-Autoren gehen immer davon aus, daß in den Ufos höher entwickelte Menschen sitzen. Was aber, wenn es höher entwickelte Lachse sind? Oder intelligente Mastgänse, die die Relativitätstheorie rückwärts schnattern können? Wieso sollten wir da Hemmungen haben, wo die Lebensmittel auf der Erde immer knapper werden und Hemmungen beim Umgang mit Menschen schon lange nicht mehr existieren?

Mit solchen Überlegungen im Kopf und einem schweren Küchenmesser in der Faust schleiche ich also suchend durch den nahen Wald. Schon nach kurzer Zeit entdecke ich zwei Fremde! Unvorstellbar häßlich, Glotzaugen und so weiter. Allerdings nicht sehr krebsähnlich. Eher wie Affen. Ich entdecke auch ihr Ufo. Es ist auf einem Waldweg gelandet und gar nicht untertassenähnlich. Sieht aus wie ein Ford Capri. Überhaupt fehlt den beiden das Appetitliche. Den Wurzelsud habe ich wohl umsonst vorbereitet. Dennoch – im Interesse der Wissenschaft will ich mit ihnen in Verbindung treten. Ich springe also hinter meinem Busch hervor und gebe ihnen durch Zeichen zu verstehen, daß sie näherkommen sollen und keine Angst vor meinem Messer zu haben brauchen. Doch sie rennen zu ihrem Ufo zurück und verschwinden. Es hört sich an wie ein startendes Auto.

Später beobachte ich vom Fenster, wie Polizei den Wald durchstreift. Wahrscheinlich hat noch jemand die Außerirdischen gesehen und es der Polizei gemeldet. Doch die werden kein Glück haben. Denn es waren immer nur einzelne Jäger, Angler oder Pilzsammler, also Leute mit ausgeprägter Phantasie, die mit den Außerirdischen in Verbindung traten. Wie ich schon sagte: Wenn ich ihnen nicht begegne – andere haben erst recht keine Chance.