Von Rosemarie Fiedler-Winter

Das Erteilen von Absagen ist das heikelste Kapitel einer, Personalberatung. Absagen sind in jedem Fall eine Kunst, nicht nur, wenn es sich um hochqualifizierte Bewerber handelt oder um solche, die durchaus für die ausgeschriebene Position in Betracht gekommen wären. Es kommt ganz entscheidend darauf an, diesen Fach- und Führungskräften zu sagen, daß die Absage keine Abqualifizierung ist.“

Das fordert Else Theurer, Leiterin einer der führenden deutschen Personalberatungen mit Sitz in Bensheim. Diese Äußerung wiegt um so schwerer, als die Notwendigkeit, absagen zu müssen, in letzter Zeit erheblich zugenommen hat. Darin sind sich viele Unternehmer mit den Personalberatern einig, die in ihrem Auftrag leitende Mitarbeiter suchen.

Da ist zum einen die vor allem von dem Düsseldorfer Personalberater Martin Witt hervorgehobene Zunahme der Fusionen – eine Entwicklung, die seit der Rezession 1966/67 nicht mehr zum Stillstand gekommen ist. Dabei zeigt sich, daß fast immer die Manager einer der beiden betroffenen Firmen ihre Stelle verlieren.

Eine ausländische Unternehmensberatung bietet für derartige Fälle gar ihre speziellen Dienste an. Da es sich dabei aber nicht um mehrere tausend Personen, sondern nur um einen begrenzten Kreis von Führungskräften handelt, bleibt dieser Vorgang meistens unbeachtet.

Als zweite Ursache dafür, daß die Zahl der Bewerber für Chefetagen ansteigt, wird von den Unternehmen der „Vormarsch der Arbeitsdirektoren“ angegeben. Zwar ist die Mitbestimmung, die den Arbeitnehmern diese Position in der Geschäftsleitung einräumt, noch nicht Gesetz (abgesehen von der Montanindustrie). Aber mancherorts sind bereits Revirements im Gange, die einem neuen Mann Platz schaffen sollen. Kaum ein Unternehmen denkt daran, diese Vorstandsposition zusätzlich einzurichten.

In der Regel muß dafür der bisherige Personalvertreter im Vorstand über die Klinge springen, falls nicht ein passendes anderes Ressort frei wird oder ein einigermaßen repräsentatives Abstellgleis vorhanden ist. Große ausländische Konzerne machen sich diese Entwicklung bereits heute zunutze, indem sie deutsche Vorstandsetagen nach vielversprechenden Talenten durchkämmen.