Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing steuert unvermindert auf Expansionskurs. Und offensichtlich ist er auch gewillt, für hohe Wachstumsraten einen hohen Preis zu zahlen: den des Preisstopps. Bei der Haushaltsdebatte in der Nationalversammlung nannte Giscard das Kind zwar nicht beim Namen. Doch es spricht einiges dafür, daß der Superminister die Preise für ein paar Monate blockieren will.

Offensichtlich muß Giscard dem Druck der Gewerkschaften nachgeben. Nicht einmal Lohngleitklauseln, die bei höheren Preisen automatisch höhere Löhne garantieren, konnte die Arbeitnehmer besänftigen. Auch die Senkung der Mehrwertsteuer vor ein paar Monaten honoriert heute niemand mehr.

Das erstaunliche an der Nachricht aus Paris ist, daß die Franzosen nicht gewillt sind, aus alten Fehlern zu lernen. Preisblockaden haben in Frankreich eine lange Tradition, erwiesen sich aber letztlich stets als Fehlschlag. Eines könnte Giscard vielleicht helfen: ein Lohnstopp. Doch daran wagt er nicht im Traum zu denken. Und so wird auch seine Hoffnung auf stabile Preise nicht viel mehr als ein frommer Wunsch bleiben.

smi