Ich habe die Schönheit gesucht, und die Suche danach hat mich dem Sozialismus nähergebracht. Ich bin Christ und Sozialist, weil man in einer kapitalistischen Welt mit dem Evangelium nicht leben kann. Ich will die Revolution. Aber auch die Poesie kann eine Art des Widerstands sein.

Der nicaraguanische Dichter, Priester und Sozialist Ernesto Cardenal in einem Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“

Drei Pfennig für neunzig Minuten

Peter Märthesheimer, erfolgreicher Redakteur-Produzent der WDR-Fernsehspielabteilung, fühlt sich „eingeschüchtert“ von der „hartnäckigen Nörgelei von außen“, von den ewigen Forderungen an das Fernsehen, „funktionaler“, „effizienter“, endlich „kostenbewußt“ zu arbeiten und der langjährigen „Mißwirtschaft“ durch mehr Rationalisierung zu begegnen. Er setzt den „Sprücheklopfern“ eine imposante Rechnung entgegen: Die fünf Folgen von Faßbinders Familienserie „8 Stunden sind kein Tag“ wurden je von etwa 20 Millionen Zuschauern gesehen und kosteten, alles eingerechnet, etwa 600 000 Mark das Stück – „wir haben also für jeden Zuschauer 3 Pfennig aufgewendet“. Wolfgang Menges Schockspiel „Smog“ kam auf 5 Pfennig, Peter Handkes „Chronik der laufenden Ereignisse“ auf 10 Pfennig pro beteiligtem Zuschauer. „Hätte jeder Zuschauer ein Stück von Peter Handke im Theater sich ansehen wollen, hätte ihn das 10 Mark gekostet und den Steuerzahler noch einmal ein Vielfaches.“ Das wichtigste Argument unterschlägt die Philippika noch: daß das Geschrei über die Gebühren immer sofort verstummt, wenn sie erhöht worden sind, und daß die Zustimmung zur Erhöhung ein wirksamer Hebel ist, den Politikern den Einfluß auf das Programm zu sichern.

TAT in Not

Das Theater am Turm (TAT), vor zwei Jahren noch Frankfurts attraktivste Schauspielbühne, ist in eine Existenzkrise geraten: Zwei Mitglieder des dreiköpfigen Theaterdirektoriums, der Regisseur Wolfgang Wiens und der Dramatiker Wolfgang Deichsel, haben ihre Verträge zum Ende dieser Spielzeit gekündigt, das Ensemble droht auseinanderzufallen. Das TAT hatte seine beste Zeit, als an den benachbarten Städtischen Bühnen glück- und trostlos der Intendant Ulrich Erfurth agierte und sich alle Neugier auf die avantgardistischen Versuche des TAT konzentrierte. Seit sich aber das (ungleich höher subventionierte) Schauspiel Frankfurt unter Peter Palitzschs Leitung angestrengt und oft erfolgreich um das moderne Theater bemüht, ist das Theater am Turm gleich in dreifacher Bedrängnis: Erstens fällt ihm die Profilierung neben Palitzschs Theater ungleich schwerer als neben Erfurths planlosem Stadttheater; zweitens gelang es nicht, neben Wiens einen zweiten festen Regisseur für das Theater zu finden; drittens hat die heftige Erprobung eines Mitbestimmungsmodells das TAT belastet. Der mögliche Ausweg aus der Krise heißt Rainer Werner Fassbinder. Mit dem (derzeit noch an Hübners Berliner Volksbühne verpflichteten) Vielbeschäftigten wird über ein Engagement ans TAT verhandelt.

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