Junge Leser diskutieren über die Trennung von Kirche und Staat

Trennung von Kirche und Staat? Unbedingt! Die Kirche muß unabhängig, gegebenenfalls auch gegen den Staat und die jeweiligen politischen Parteien, für die Verwirklichung ihrer Ziele wie Menschlichkeit, Frieden und Gerechtigkeit eintreten können. Ich glaube aber nicht, daß die Eintreibung der Kirchensteuer durch den Staat das entscheidende Hindernis für die Verwirklichung dieser Ziele darstellt.

Als größeres Hindernis sehe ich einerseits die fehlenden Einflußmöglichkeiten und andererseits ein reformbedürftiges Selbstverständnis der Kirche, zum Beispiel das vielfache Festhalten an veralteten Traditionen und die Abkapselung in einem rein theologischen, unpolitischen Bereich. Daher kommt wohl auch das Desinteresse besonders der Jugend an der Kirche. Würde die Kirche ohne eine vorherige innere Reform selbst „Vereinsbeiträge“ erheben, anstatt diese vom Staat stillschweigend als Steuer einziehen zu lassen, würden vielleicht noch mehr Leute aus der Kirche austreten, und die Kirche wäre von anderen Geldgebern abhängig, die wahrscheinlich ganz andere Interessen hätten.

Cornelia Gunßer, 17 Jahre

Wenn man das Problem einmal vom grundsätzlichen Verständnis der Demokratie angeht, ergeben sich interessante Aspekte:

Die Kirchen sind die einzigen Institutionen der Gesellschaft, in denen Demokratie, Freiheit und Toleranz sehr wenig gelten. Obwohl auch andere Gruppen nur ein recht formales Demokratieverständnis haben, bejahen sie trotzdem – wenn auch zum Teil mit Zähneknirschen – die Spielregeln der Demokratie. Dies ist bei den Kirchen (vor allen Dingen bei der katholischen Kirche) nicht der Fall, denn Synoden, Zentralkomitees, Kirchenbeiräte oder sonstige Hilfsakteure der von Rom festgelegten Marschrichtung haben im Grunde mehr oder weniger nur eine Volkskammerfunktion. Dies zeigt gerade auch die Affäre des Nuntius Bafile, der mit Mafiamethoden – anders kann man es leider nicht bezeichnen – Andersdenkende auf die Seite schieben will. Ähnlich steht es mit dem Fall Küng, wo Rom mit Mitteln der Inquisition „Intellektuelle zensiert, Menschenrechte außer Kraft setzt und einen reaktionären Kurs verfolgt“ (Küng).

Da schon eine Trennung zwischen Demokratie und Kirche vorhanden ist, kann es für einen demokratischen Staat nur eine Konsequenz geben: Trennung von Kirche und Staat.