Der Waffenstillstand zeigt gefährliche Risse

Das mittelöstliche Diplomatenkarussell ist in vollen Gang gekommen. Staatsoberhäupter, Regierungschefs und Minister sind im Jet von Hauptstadt zu Hauptstadt unterwegs. Sie kreuzen sich, sie treffen sich, sie meiden sich. Im Mittelpunkt des hektischen Treibens stehen Henry Kissingers Reise nach Kairo und die Vorbereitungen einer arabischen Gipfelkonferenz, die Mitte November in Algier zusammentreten soll.

Wie wird die Landschaft aussehen, wenn sich der Staub zu setzen beginnt, den die Emissäre aus den verschiedenen Lagern jetzt aufgewirbelt haben? Wird die Initiative in der Hand der Politiker bleiben – oder wird sie abermals an die Generäle übergehen?

Noch ist alles in der Schwebe. Die Araber wollen über nichts mit sich reden lassen, ehe sich die Israelis nicht auf die Waffenstillstandslinien vom 22. Oktober zurückgezogen und das heißt, die am Ostufer des Suezkanals eingekesselte 3. ägyptische Armee freigegeben haben. Israel hingegen

Im Brennpunkt

Nahost-Krise

beharrt darauf, über jede Korrektur der Waffenstillstandslinien nur in Direktgesprächen und auf jeden Fall erst nach einem Austausch der Kriegsgefangenen und nach der Aufhebung der Blockade von Bab al Mandeb – des Zugangs zum Roten Meer und damit zum Golf von Akaba – zu verhandeln. Wieder wie in den Jahren nach 1967, verschanzen sich die beiden Kriegsparteien hinter unversöhnlichen Vorbedingungen.