Von Helmut Schneider

Surrealismus und Kunst so zusammenzubringen, daß sie einigermaßen nahtlos aneinanderpassen, scheint doch recht schwierig zu sein. Mindestens macht sich niemand diese Mühe, vielleicht aus der Befürchtung, daß sich die Herkules- letzten Endes als Sisyphus-Arbeit entpuppen könnte. Auf diese Weise traben die beiden an lockerem Zügel einträchtig durch die Kunstliteratur, ohne daß genau deutlich würde, was sie eigentlich miteinander zu tun. haben. Irgendwie gehören sie schon zusammen, soviel ist sicher. Bloß wie?

Es ist recht merkwürdig, daß immer nur der Surrealismus für die Kunst in Anspruch genommen wird, nicht umgekehrt. Mit anderen Worten: Man interpretiert ständig von der Kunst auf den Surrealismus hin. Vom Surrealismus auf die Kunst, die als surrealistisch gilt, zu reflektieren, ist nicht ganz einfach und wird durch offensichtliche Schwächen in der Theorie des Surrealismus nicht gerade erleichtert. Mit dem Hinweis auf die beschränkte. Brauchbarkeit dieser Theorie für die Interpretation ist es nicht getan, sie beruhte immerhin auf Erfahrungen, allerdings literarischer, nicht künstlerischer Natur, die ihr vorausgegangen waren.

Zweifellos. ist es ein Handikap, daß André Breton im „Ersten Manifest des Surrealismus“ diesen lediglich als ein Verfahren definiert hat, ohne genauer zu erläutern, welche Ergebnisse er sich erwartete und worauf das Ganze eigentlich abzielte. Wenn Breton den Surrealismus als psychischen Automatismus bezeichnete, der Inhalte unbewußter Denkvorgänge darzustellen fähig sei, so zielte dies ganz eindeutig, auf die Nutzbarmachung des Traumes. Surrealismus, eine Methode, Bilder des Traumes zu erhalten – ein Mißverständnis, das Breton verschuldet hat.

Denn es ging ihm nicht nur um den Traum, den er als eine andere Wirklichkeit begriff, die keineswegs von vornherein überwirklich war, sondern um mehr: Er glaubte an das große Mysterium, die „zukünftige Auflösung... von Traum und Wirklichkeit in einer Art von absoluter Wirklichkeit“, die er Surrealität nannte – und von der er wußte, daß er sie nicht erleben würde.

Surrealität, eine Utopie – und Surrealismus der Weg dorthin?

Anders gefragt: Ist die Geschichte des Surrealismus – vorausgesetzt, es gibt eine, was man bestreiten könnte – die Geschichte eines utopisch orientierten Bewußtseins? Wie auch immer, die „authentische“ Geschichte dieser Bewegung ist noch nicht geschrieben. Geschrieben werden Geschichten der Kunst des Surrealismus, man könnte auch sagen: diese wird herbeigeschrieben. Einige der Autoren glauben selbst nicht so recht an ihre Existenz. Drei Neuerscheinungen sind anzuzeigen. Ein Prachtband amerikanischer Herkunft –