Großbritanniens Einzelhändler nehmen Ladendiebstähle zu leicht, und sie gehen zu milde mit den Dieben um. Diese und andere Rügen sind in einem Bericht enthalten, den das Innenministerium jetzt vorgelegt hat. Zwei Jahre hat eine Arbeitsgruppe gebraucht, um herauszufinden: Der Einzelhandel tut zuwenig, um „kriminelle Warenentnahmen“ durch Kunden und Angestellte zu verhindern; wenn der Umsatz steigt, kümmern sich die Ladeninhaber zuwenig um die Diebe.

Niemand kann auch nur annähernd den Verlust durch diese Diebstähle beziffern. Schätzungen reichen von etwa 200 Millionen Pfund aufwärts. Festgehalten wird jedoch die Zahl der gemeldeten Ladendiebstähle und der daraus folgenden Gerichtsverfahren. 1966 wurden der Polizei über 68 000 Fälle angezeigt, 1971 lag die Zahl über 119 000. 1966 wurden fast 31 000 Personen angeklagt, fünf Jahre später standen rund 47 500 Personen vor dem Kadi. Einige Einzelhändler schätzten die Verluste bis auf sechs Prozent des Umsatzes; aber die Mehrheit glaubt, den Schwund unter einem Prozent zu halten. Eine große Zahl kleinerer Händler sieht sich jedoch außerstande, genauere Angaben zu machen. Betroffen sind insbesondere Warenhäuser, Bekleidungsgeschäfte und Zeitschriftenhändler.

Der Bericht verweist auf die verwundbare Stelle am Lieferanteneingang und vermutet, daß durch Manipulationen an der Hintertür wahrscheinlich mehr Waren verlorengehen als im Laden. Eine Empfehlung lautet daher, daß nur eine kleine Zahl von Angestellten zur Entgegennahme der Waren berechtigt sein soll. Im Laden selbst geht die Technik der Selbstbedienung dem Innenministerium oft zu weit. Im Bestreben, Kauflust zu stimulieren, wurden Vorsichtsmaßnahmen außer acht gelassen. Kritisiert wird die Haltung: „Was den Ladendieb nicht reizt, reizt auch nicht den Käufer.“

Kontrovers ist die kategorische Aufforderung, die Händler sollten alle Diebe der Polizei melden, vom Kind bis zum Greis, und natürlich sollen sie dabei auch nicht das eigene Personal vergessen. Den Vorteil sieht man darin, Ersttätern einen Denkzettel zu geben, notorische Langfinger auszusondern und andere Arbeitgeber vor unehrlichem Personal zu warnen. Viele Händler wollen jedoch von Fall zu Fall entscheiden, ob sie einen Ladendieb anzeigen oder nicht. wk