Cyclamate, synthetische Süßstoffe, die seit einigen Jahren schon in den Vereinigten Staaten nicht mehr feilgeboten werden dürfen, weil sie in den Verdacht geraten waren, Krebs hervorzurufen, werden vielleicht wieder zum Verkauf zugelassen. Die Firma Abbott früher der größte Cyclamat-Hersteller, hat der US-Behörde für die Lebens- und Arzneimittelüberwachung mindestens vierhundert Hinweise auf Forschungsarbeiten eingesandt, die den Süßstoff von dem Krebsverdacht freisprechen sollen. Diese Berichte werden von dem Amt überprüft.

Sollte sich in der Tat die Food and Drug Administration (FDA) zur erneuten Zulassung der Cyclamate entschließen, dann wird sie sich von seiten der Industrie massive Kritik an dem „voreiligen Verbot“ eines Produkts und von der Health Research Group, einer einflußreichen Konsumenten-Organisation, schwere Vorwürfe wegen der Freigabe „einer Substanz, die nicht nur Krebs hervorrufen kann, sondern auch für Mißbildungen an Neugeborenen, Wachstumshemmung, Hautausschläge und andere Schäden verantwortlich gemacht werden muß“, einhandeln.

In der Bundesrepublik werden es sich die Süßstoffindustrie und die Chemie-PR-Organisation „Deutsches Grünes Kreuz“ voraussichtlich nicht nehmen lassen, damit zu prahlen, daß sie mit ihrer Ablehnung eines Cyclamatverbots in Deutschland schließlich doch recht gehabt haben.

Indes: Sollte sich der schwerwiegende Verdacht als falscher Alarm herausgestellt haben, so hat die amerikanische Gesundheitsbehörde mit ihrem Verbot der Cyclamate dennoch richtig gehandelt. Getreu ihrer vernünftigen Politik hielt sie sich an den Grundsatz: in dubio pro sanitate, und zog angesichts einer möglichen Gefahr für die Gesundheit von Millionen Menschen vorsorglich ein nicht lebenswichtiges Produkt aus dem Handel. Leichtfertig gehandelt haben unsere Behörden, auch wenn es in diesem Fall möglicherweise gutgegangen ist. Thomas v. Randow