Bis zum letzten Tag hatten Deutschlands Reiseveranstalter auf die große Wende gewartet, aber sie kam nicht. Am 31. Oktober ging für die Branche ein enttäuschendes Geschäftsjahr zu Ende. Die hochgespannten Erwartungen, nach denen einzelne Unternehmer Zuwachsraten bis zu 40 Prozent erwartet hatten, erfüllten sich nur in Ausnahmefällen.

Zum Beispiel bei einer der Tochtergesellschaften des Hannoveraner Reisetrusts TUI (Touristik Union International) Hummel-Reisen brachten ein Boomjahr hinter sich. Hummel profitierte von der Umorganisation im größten europäischen Reisekonzern; der TUI-Veranstalter gab sein Flugreiseprogramm auf und beschränkte sich auf Bahnreisen. Im Sommer verreisten 41 000 mehr Urlauber (insgesamt 65 000) mit den Hummel-Ferienzügen als im Vorjahr. Beim Umsatz mußte der Veranstalter Einbußen hinnehmen.

Hummel-Reise kam zugute, was sich bei den Konkurrenten negativ auswirkte: Der seit Juni andauernde Streik der Fluglotsen verführte viele Urlauber dazu, so die Veranstalter, statt per Jet mit dem eigenen Wagen oder mit der Bahn in die Ferien zu fahren.

Doch trotz der insgesamt schmalen Zuwachsraten kamen die großen Veranstaltergruppen mit einem blauen Auge davon: Neckermann verkaufte weniger Reisen, konnte aber den Umsatz halten; die Kaufhof-Tochter ITS registrierte ein kräftiges Plus, ohne allerdings ihre Zielvorstellung zu erfüllen.

Schwerer betroffen von der gesunkenen Reisemoral der Deutschen sind die zahlreichen regional tätigen kleineren Veranstalter. Einige von ihnen sollen Branchengerüchten zufolge mit ernsthaften Liquiditätsproblemen kämpfen. Vergangene Woche meldete Werop-Reisen (Hagen) beim Konkursrichter den Vergleich an. In der Kasse fehlt knapp eine Million Mark, um ausstehend; Verbindlichkeiten decken zu können.

Werop-Geschäftsführer Klaus Brand erklärt das Ende von Werop-Reisen (Umsatz rund 13 Millionen Mark) in erster Linie mit dem Konkurs einer Werop-Tochter zu Beginn des Jahres. Zudem hätte der Kapitalgeber von Werop, ein Hagener Heizölhändler, erkannt, daß sich Investitionen in dieser Reisebranche nicht mehr lohnen.

Hoffnungen auf neue Interessenten machte nach Brands Auffassung die Bundesregierung mit ihrer strikten Stabilitätspolitik zunichte. Die Kreditzinsen hätten inzwischen eine Höhe, die es unmöglich macht, ein Engagement über Banken zu finanzieren. Verhandlungen mit einer ganzen Reihe Partner sollen aus diesem Grund gescheitert sein.