Jugendgangs kämpfen wieder in New Yorks Hinterhöfen

Von Joachim Wagner

New, York, im November

Es ist wie ein kleines Hotel“, sagte Bobo, „du kannst dort immer hingehen, Platten hören, übernachten und bist nie allein.“ Sein „kleines Hotel“ waren zwei Räume in einem verlassenen Haus im New Yorker Getto-Bezirk Bronx, einige Matratzen auf dem Fuß-Baden, ein. Plattenspieler und Black-Power-Plakate an den Wänden – das Hauptquartier der Savage Priests“, einer 500 Mann starken Jugendbande.

Doch für Bobo, einen der Anführer dieser Gang, wie für viele andere Bandenmitglieder ist das Quartier nicht nur Ersatz für das meist zerrüttete Zuhause; es ist vor allen Dingen Kommandozentrale. Von dort aus regieren sie ihr Territorium: fünf Blocks in der West-Ost-Richtung und drei Blocks von Norden nach Süden. Es ist ein Gebiet, in dem die Savage Priests mehr Macht haben als die Polizei und das für andere Banden tabu ist.

In der Mitte des Raumes stand Arty, der 19 Jahre alte Präsident und Hohepriester der Savage Priests, mit Turnschuhen, Jeans und einfacher Jacke bekleidet, einen Metallring, linken Ohr und einem ein. schwarzes Selbstbewußtsein verkörpernden „top-hat“ auf dem Kopf, eine Mischung aus Texashut und Melone. Um ihn herum saßen 15 Gestalten in Jeans-Anzügen, das Haar entweder im Afro-Look oder mit einem Kopfband gebändigt. Ihre Augen ließen keine Sekunde von Arty ab, der die Hände zum Mund führte und verschiedene Zeichen mit ihnen formte: Taubstummensprache.

Arty wies gerade diesem als besonders grausam und brutal berüchtigten Taubstummenbataillon der Savage Priests Gefechtspositionen auf den strategisch wichtigen Dächern in ihrem Bezirk an. Für eine der nächsten Nächte erwarteten sie nämlich einen Straßenkampf. Ein Führer – der „Black Spades“, einer Bande aus dem Nachbarbezirk, war vor einigen Tagen aus dem Gefängnis entlassen worden. Dieser glaubt, daß Arty an seiner Verhaftung nicht ganz unschuldig war: In einem solchen Fall gibt es kein Pardon in der Bronx.