Aus einem Elektrokardiogramm (EKG) einen Herzmuskelschaden nach einem Herzinfarkt abzulesen, ist dem Arzt häufig nicht möglich. Für diese Fälle entwickelte jetzt der amerikanische Pathologe Dr. Paul Wolf von der kalifornischen Stanford University einen Enzym-Test, der eine Diagnose von Herzmuskelschäden fast immer ermöglicht. Das Enzym, genannt Kreatin-Phosphokinase (KPK), spielt eine bedeutende Rolle im Energiespeichersystem von menschlichem Gewebe.

Wissenschaftler wissen schon seit lägerer Zeit, daß ein Anstieg des KPK-Wertes im Blut auf einen Herzinfarkt hindeutet. Da aber abnorme KPK-Werte auch andere Ursachen haben können – beispielsweise sportliche Betätigung oder das „Injizieren von Schmerzmitteln“ – beurteilten die Forscher das Phänomen bisher als nicht besonders brauchbar für die praktische Medizin.

Professor Wolf stellte jetzt fest, daß es drei verschiedene KPK-Enzyme gibt – solche vom Herzen, vom Gehirn und von den Skelettmuskeln. Das „Herz-KPK“ tritt nur dann im Blutserum als erhöhter Wert auf, wenn ein Herzinfarkt einen Herzmuskelschaden verursacht hat.

Der Enzym-Test kann auch dazu verwendet werden, Patienten auf Überempfindlichkeit gegenüber Narkosemitteln zu prüfen. Außerdem zeigt der Test auch eindeutig die bösartige Hyperthermie an; diese Krankheit ist gekennzeichnet durch plötzlichenTemperaturanstieg, der die Blutzellen zum „Kochen“ bringt. Dieses erbliche Leiden führt häufig zum Tode, wenn es nicht frühzeitig erkannt wird.

Der KPK-Test ist nach Angaben Wolfs einfach und billig. „Er kann in jedem Krankenhauslabor durchgeführt werden, indem man eine Blutprobe auf den vorhandenen KPK-Wert untersucht. Liegt ein Herzmuskelschaden vor, gibt es im Blut einen erhöhten Herz-KPK-Wert.“

M. W.