Wieder einmal sind hunderte deutscher Investoren auf der Suche nach verlorengegangenen Millionen. Es geht um die Trustee AG und ihre Hintermänner – an der Spitze der Hamburger Steuerbevollmächtigte Jörn Grimmsmänn, 35 Jahre alt, zur Zeit in Untersuchungshaft. Der Fall machte kürzlich Schlagzeilen und es wird davon gesprochen, daß er nach IOS den größten Finanzskandal in der deutschen Nachkriegsgeschichte darstellt.

Ob er dies tatsächlich ist, wollen wir, meine verehrten Leser, dahingestellt sein lassen. Selbst der Konkursverwalter Hinnerk Müller tappt, was die Höhe der möglichen Forderungen an Grimmsmann und Trustee angeht, ebenso im dunkeln wie über das, was möglicherweise noch für die Gläubiger gerettet werden kann. Die bisher in der Öffentlichkeit genannten Forderungen von 24 Millionen Dollar (etwa 60 Millionen Mark) hält er für zu hoch. Hierin sind nämlich auch die den Trustee-Anlegern gutgeschriebenen Zinsen enthalten. Sie können aber nach Ansicht des Konkursverwalters nicht anerkannt werden, weil sie nie von Trustee verdient worden sind. Außerdem rechnet der Konkursverwalter damit, daß 30 bis 40 Prozent der Forderungen überhaupt nicht angemeldet werden. Wohl deshalb nicht, weil hier schwarzes Geld angelegt worden ist, von dem das Finanzamt nichts wußte und auch heute nichts wissen soll.

Wie konnte es zu diesem Finanzskandal kommen? Vorläufig gibt es noch viele Fragezeichen und auch dem Konkursverwalter fehlen noch wichtige Fakten. Gegen Jörn Grimmsmann und seinen Partner Arie Leo From, einen neununddreißigjährigen Hamburger Kaufmann, der über Israel in die USA auswanderte und schließlich in die Bundesrepublik zurückkehrte, wird vom Bundeskriminalamt und der Hamburger Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Betruges, der Unterschlagung, des Handels mit gestohlenen und gefälschten Wertpapieren, der Hehlerei und der Steuerhinterziehung ermittelt. Die Strafverfolgungsbehörden haben sämtliche Geschäftsakten von Jörn Grimmsmann und Trustee beschlagnahmt und gewähren dem Konkursverwalter keinen Einblick.

Nach Ermittlungen des Konkursverwalters nahm der Skandal 1968 seinen Anfang. Damals händigte Grimmsmann, in Kreisen der Hamburger „Gesellschaft“ kein Unbekannter, Arie Leo From 100 000 Mark aus. From versprach ihm, dieses Geld mit fünf bis acht Prozent monatlich (!) zu verzinsen. Grimmsmann erhielt seine Zinsen und begann Freunde und Bekannte für die Anlage bei From zu interessieren. 1969 war der Geldfluß schon so kräftig geworden, daß der Aufbau einer Organisation unumgänglich wurde.

So entstanden die Establishment for International Values in Vaduz und im Herbst 1970 die Trustee AG in Zürich, die als Vertragspartner der Anleger aufgetreten ist. In den Geldfluß wurde später auch die Consolidated Value S.A. Panama eingeschaltet.

Auf noch ungeklärte Weise verschwand aber das von den Grimmsmann-Firmen „Establishment“ und „Consolidated“ treuhänderisch verwaltete Geld. Per Ende 1971 wurde zwar ein „Vermögen“ von 10,5 Millionen Dollar testiert. Wie der Konkursverwalter behauptet, waren diese Testate – erstellt vom Steuerbevollmächtigten Grimmsmann – jedoch falsch. Zu diesem Zeitpunkt wußte Grimmsmänn bereits, daß die From ausgehändigten Gelder verschwunden waren und die den Anlegern gutgeschriebenen „Gewinne“ nie erzielt worden sind.

Mitte 1972 wurden dann die Trustee-Anleger aufgefordert, der Verlagerung ihrer Anlagen von der Trustee-Zürich zur neu gegründeten Trustee Finance Ltd. in London zuzustimmen. Wie der Konkursverwalter erläuterte, sei Trustee-London schon bald nach Eröffnung konkursreif gewesen. Dennoch sind von dem Londoner Unternehmen noch neue Verträge ausgefertigt und über Anlagevermittler weitere Gelder akquiriert worden.