Wieder aktuell: Die Selbstempfehlungen Abba Khans und Golda Meirs

Von H.-W. Bartsch

Durch den neuen Krieg im Nahen Osten haben Bücher an Wert gewonnen, die man in ruhigen Zeiten als Selbstempfehlungen amtierender Politiker weniger beachten würde:

Abba Eban „Mein Land – Das moderne Israel“; aus dem Englischen von K.-O. Czernicki; Droemer Knaur, München 1972; 304 Seiten, 39,50 DM

Golda Meir: „Leben für mein Land, Selbstzeugnisse aus Leben und Wirken“; herausgegeben von Marie Syrkin, deutsche Übersetzung nach der englischen Ausgabe von Weidenfeld and Nicolson; Scherz Verlag, München 1973; 312 Seiten, 26,– DM.

Von besonderem Interesse ist in dieser Situation die hier abgedruckte Rede Golda Meïrs vor der Knesset über die politische Lage und Sicherheit Israels am 26. Mai 1970. Wenn die Ministerpräsidentin in ihrer Regierungserklärung „die Weigerung (der Araber), direkt mit uns zu sprechen“ als den eigentlichen Grund dafür bezeichnet, „weshalb der Frieden noch in weiter Ferne liegt“, so darf angesichts der heute ausdrücklich bestätigten Bereitschaft Ägyptens, in unmittelbare Verhandlungen einzutreten, der Friede als nicht mehr so fern angesehen werden. Die umstrittene UN-Resolution 242 bleibt natürlich vorerst ein Streitpunkt, und es ist nicht gerade ermutigend, wenn in einer kurz vorher gehaltenen Rede vor den Gewerkschaften (Histadrut) diejenigen einer Illusion gescholten werden, die einer Zustimmung zur Resolution das Wort reden! Wenn jedoch die Weigerung Nassers, den Staat Israel anzuerkennen, der Grund für dieses Urteil ist, so ist dieser Grund jetzt durch die Garantie fast des gesamten Sicherheitsrats beseitigt.

Kluft in Israel