• Die konjunkturelle Entwicklung auf dem Bausektor betrifft Sie als Städtebauminister am meisten. Stimmt es, daß Sie mehr als die übrigen Kabinettsmitglieder daran interessiert sind, vor dem Mai nächsten Jahres Lockerungen für die Bauwirtschaft zu erreichen?

Vogel: Mein Problem ist, daß wir bei den Stabilisierungsmaßnahmen im Bereich der Bauwirtschaft aus dem notwendigen Sinkflug rechtzeitig wieder in den Parallelflug übergehen. Die Bauwirtschaft darf nicht wieder durchsacken und Kapazitätsverluste wie 1966/67 erleiden, die dann nur durch hohe Preissteigerungen wieder rückgängig gemacht werden können.

  • Sind wir davon noch weit entfernt?

Vogel: Wir beobachten die Frühwarnziffern, nämlich offene Arbeitsplätze, Stellungsuchende, Auftragsbestand und auch die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden. Sie zeigen uns, daß wir in manchen Regionen diesem kritischen Punkt bereits recht nahe gekommen sind. Deshalb überlege ich, im Kontakt mit den anderen Ministerien, Möglichkeiten der Gegensteuerung.

  • Unter den Instrumenten der Gegensteuerung wird die Wiedereinführung der Wohngebäudeabschreibung nach Paragraph 7 b des Einkommensteuergesetzes am meisten genannt. Es heißt, daß Sie den Paragraphen möglichst zu Beginn des nächsten Jahres wiedersehen möchten. Aber gibt es nicht ebenso wichtige andere Instrumente wie etwa Senkung der Investitionssteuer oder Aufhebung der Grunderwerbsteuer?

Vogel: Wir müssen mit den Instrumenten arbeiten, die verfügbar sind oder die innerhalb kürzester Zeit verfügbar gemacht werden können. Da steht für mich an erster Stelle das Flottmachen der 50 000 Sozialwohnungen aus dem Programm von 1973. Sie sind wegen der hohen Fremdmittel, die zur Erreichung sozialer Mieten erforderlich sind, noch nicht in Angriff genommen worden. Hier ist als Sondermaßnahme beabsichtigt, den gegenwärtigen Zins auf eine zumutbare Höhe zu subventionieren. Das zweite ist die Altbaumodernisierung; Immerhin ein Volumen von dreihundert Millionen Mark für 1974. Damit muß man aber warten, bis das Ausbaugewerbe Entspannungserscheinungen zeigt. Und das dritte ist der 7b, ich mache keinen Hehl aus meiner Meinung: Wir sollten ernsthaft prüfen, ob wir den 7b nicht regional vorzeitig in Kraft setzen, so daß wir endlich mal zu einer gewissen Regionalisierung dieser Steuer kommen.

  • Haben Sie dazu schon eine Äußerung Ihres Kollegen Schmidt?