Ein reichliches halbes Jahrzehnt ist es inzwischen her, daß sich die uralte Verärgerung der Schriftsteller über Verleger, die ihre Manuskripte mißhandeln und ihre Bücher zu lasch verkaufen, über Kritiker, die ihre Absichten aufs hirnverbrannteste verkennen – daß sich dieser über Generationen hin vererbte Groll vereinte mit der sozialistischen Forderung, die Produktionsmittel gehörten in die Hände der Produzenten. Es wurde seitdem viel geredet und auch etwas geblufft; etliche Autoren aber haben Ernst gemacht.

Es gibt in Frankfurt einen „Verlag der Autoren“ und einen „Filmverlag der Autoren“, die zwar keine Bücher machen, aber die Rechte ihrer Eigentümer, eben ihrer Autoren, gegenüber Bühnen und Film- und Fernsehproduzenten erfolgreich vertreten.

Es gibt in München eine „AutorenEdition“, in der ein Autorenkollegium das Programm macht; gerade wurde bekannt, daß auch Franz Josef Degenhardt zu ihr überwechseln wird.

Es gibt eine neue Literaturzeitschrift, das „Literaturmagazin“, das alle halbe Jahre erscheinen soll, sich ausdrücklich „Autorenzeitschrift“ nennt und „die herkömmliche Trennung zwischen politischer Theorie und ästhetischer Praxis aufzuheben versucht“. Anders gesagt: Autoren liefern hier, was sonst die Kritiker zu liefern gewöhnt sind, die Theorie zum Werk.

Es gibt in Westberlin Pläne, vom Berliner Schriftstellerverband entwickelt und vom Kultussenator positiv aufgenommen, im Rahmen einer Gesamthochschule auch den Studiengang „Autor“ einzurichten: kein Institut für schöneres Dichten, sondern einen Kursus, in dem angehende Autoren lernen könnten, sich in den verschiedenen Medien zurechtzufinden, mit denen es ein normaler Autor heute schon und in Zukunft in sicher noch stärkerem Maß zu tun hat – im besten Fall eine Anstalt gegen die nicht nur sprichwörtliche Weltfremdheit der Schriftsteller, im schlimmsten eine, in der eine neue medientheoretische Weltfremdheit gezüchtet wird.

Und es gibt in München-Schwabing vom Ende dieser Woche an eine erste Autorenbuchhandlung, von 140 Schriftstellern und Lektoren finanziert, von Buchhändlern geführt, die nicht nur vor allem solche Bücher verkaufen soll, welche im normalen Sortiment immer weniger Chancen haben, sondern der die Rolle eines literarischen Zentrums zugedacht ist.

Natürlich, es handelt sich da um kaum vergleichbare Konkretionen der Do-it-yourself-Bewegung unter den Schriftstellern. Etwa in puncto Autarkie. Das unternehmerische Risiko des „Literaturmagazins“ trägt unmittelbar der Rowohlt Verlag; die mitwirkenden Autoren nur insofern, als sie um eine Publikationsmöglichkeit ärmer würden, falls ihre Zeitschrift falliert. Die Münchner „AutorenEdition“ hat sich der Bertelsmann-Konzern als eine Art ökologische Nische eingerichtet; ohne seinen Herstellungs- und Vertriebsapparat gäbe es sie nicht, und ohne die Bertelsmannschen Garantiehonorare verlöre sie viel von ihrer Attraktivität.