SED-Chef Erich Honecker sagte in einem Interview mit dem „Neuen Deutschland“:

„Heute kann niemand mehr bestreiten: Es existieren und entwickeln sich zwei deutsche Staaten mit unterschiedlicher, ja, gegensätzlicher sozialer Ordnung: auf der einen Seite unsere sozialistische Deutsche Demokratische Republik als unlösbarer Teil der um die mächtige Sowjetunion zusammengeschlossenen sozialistischen Staatengemeinschaft, auf der anderen Seite die kapitalistische BRD, die zur NATO und zur EWG gehört. Wer in der BRD noch immer mit Vereinigungsparolen hausieren geht, der hat entweder die Zeit verschlafen oder er lügt sich – aus welchen Gründen auch immer – selbst in die Tasche ...

International hat sich die Einsicht durchgesetzt, daß eine Vereinigung der sozialistischen DDR und der kapitalistischen BRD nie möglich sein wird. Nach den Schrecken zweier Weltkriege, die der deutsche Militarismus und Imperialismus vom Zaune gebrochen haben, kann es die Völker nur beruhigen, daß es ein von ihnen beherrschtes ,Reich’ zu keiner Zeit je wieder geben wird ...

Gerade gegenwärtig müssen wir erleben, daß es von seiten der Bonner Regierung mit der Einhaltung der abgeschlossenen Verträge nach Buchstaben und Geist nicht zum besten bestellt ist. Dabei ist es auch für die nationalen Interessen der BRD schädlich, Zündstoff anzusammeln, der jederzeit zur Auslösung von Konflikten dienen kann. Dazu gehört der offiziell geduldete und sogar geförderte Mißbrauch der Transitwege zwischen der BRD und Westberlin ...

In bezug auf den Status von Westberlin kann es keinerlei Mißverständnisse geben. Die Situation ist vollkommen klar. Im Vierseitigen Abkommen ist eindeutig und unumstößlich festgelegt, daß Westberlin kein Bestandteil der BRD ist und von ihr nicht regiert werden darf, da die Präsenz der BRD in Westberlin abgebaut werden muß. Im Vierseitigen Abkommen geht es um die Verbindungen zwischen der BRD und Westberlin und nicht um Bindungen. Das ist ein großer Unterschied. Statt irgendwelche Dinge hineinzudeuten, die gar nicht darin stehen, muß man dieses Abkommen strikt verwirklichen und voll anwenden. Wir sind bereit – und haben das oft genug bewiesen –, die bekannten Abkommen nach Buchstaben und Geist zu erfüllen. So werden wir auch künftig verfahren. Allerdings erwarten wir die gleiche Haltung von der anderen Seite.“