Seine Vergangenheit macht ihn zum Objekt für Linke und Literaten

Von Nina Grunenberg

Ich nehme eine rote Nelke zwischen die Zähne", flüsterte Burkhard Driest heiser ins Telephon, als wäre sein Rollenfach schwerer Held". Als ich ihn auf dem Frankfurter Hauptbahnhof traf, sah er auch so aus. Er flegelte im Jeans-Dreß an einem Knipserhäuschen – groß, dunkelblond, blaue Augen, ein vernarbtes Gesicht, wie handgeschnitzt, mit einem sinnlichen Mund – ein Charles Bronson auf deutsch, ein attraktiver Brutalinski, dem nachts im Park nur begegnen, möchte, wer ernsthaft interessiert ist, vergewaltigt zu werden. Er wirkt auf Frauen und regt Männer damit auf. Er treibt es deshalb mit allen, heißt es, notfalls auch mit Goldfischen.

Den Ruf verdankt er nicht nur seinem Aussehen, sondern vor allem seiner Vergangenheit. Drei Wochen vor seinem mündlichen Juraexamen an der Universität Göttingen, überfiel. Burkhard Driest 1965, am 11. Mai, eine Sparkasse in der Nähe von Hannover. Er erbeutete siebentausend Mark und erhielt fünf Jahre Zuchthaus.

Aus dieser Geschichte machte er jetzt ein Buch. Es soll im Frühjahr erscheinen und trägt den Titel "Die Verrohung des Franz Blum". Das Manuskript wurde schon verfilmt und wird im Mai vom WDR-Fernsehen gesendet. Driest schrieb dafür das Drehbuch und spielt auch eine Hauptrolle im Film. Das alles scheint darauf hinzudeuten, daß der 34jährige demnächst wie eine Rakete am Publicity-Himmel aufgehen wird. Die Branche schnüffelt schon. Die Profis von "Aspekte", dem Kulturmagazin des ZDF, waren die ersten, die ihm das Mikrophon vorhielten: "Ihr Leben bitte, drei Minuten für Sie." Der stern bereitet eine Story vor, und BILD wartet auch schon. Damals, als es passiert war, wollte ihm BILD die Geschichte vom "akademischen Bankräuber" für 20 000 Mark abkaufen. Damals lehnte er ab. Heute kann BILD sie umsonst bekommen, nur nicht mehr exklusiv. Das amüsiert ihn.

Mit einer Mischung aus Cleverness, Naivität und Ironie interessiert sich Burkhard Driest für das, was die Leute aus ihm machen. Daß er bei der Boulevardpresse als Schläger und Räuber gehandelt wird, in linken Kreisen als "akademischer Fürsorgezögling" in ist und in den konventionelleren literarischen Zirkeln als "schreibender Häftling" nach Art des Henry Jäger, der das Genre begründete, des Horst Bienek ("Die Zelle"), des Graetz und Kroetz und wie sie alle heißen, Interesse findet – das alles geniert ihn nicht, wenn die Kohlen dabei stimmen.

In den Kreisen der Jungfilmer und Jungliteraten, in denen er jetzt verkehrt, gibt es genug Leute, die gelernt haben, ihr Talent, egal wie schmal, optimal zu vermarkten. Vielleicht kann er sogar mehr als sie. Sein: Roman zeigt, daß er genau beobachten und sauber schreiben kann – nicht gerade ein Stück Weltliteratur, aber empfohlen von Martin Walser, immerhin.