Der Aktienmarkt stand im Oktober schon im Zeichen der sich abzeichnenden Zinssenkung. Einige Papiere erreichten zwischenzeitlich zwar neue Jahrestiefstkurse, insgesamt, ist jedoch gegenüber dem Vormonat eine deutliche Besserung eingetreten. Anlagefavoriten waren in erster Linie die Werte der Großchemie, nahezu von allen Kreditinstituten ihrer Kundschaft empfohlen. Dennoch sind die Aktien von BASF, Bayer und Hoechst nach wie vor preiswert, wenn man als Maßstab das Kurs/Gewinn-Verhältnis nimmt. Es wird für möglich gehalten, daß die Großchemie-Aktien bis zum Jahresschluß ihre diesjährigen Höchstkurse noch überschreiten werden.

Lebhaft gesucht waren zeitweilig auch Großbank-Aktien. Erst in den letzten Tagen des abgelaufenen Monats gab es eine Konsolidierungsphase. Sie setzte ein, als bekannt wurde, daß die Einnahmen aus dem Kreditgeschäft noch immer zu wünschen übrig lassen. Aber das dürfte sich im kommenden Jahr ändern. Kreditinstitute werden mit einiger Wahrscheinlichkeit zu jenen Unternehmen gehören, deren Gewinne für 1974 nicht niedriger sein werden als für 1973. Über die Forderungen nach Verstaatlichung der Großbanken macht man sich in Börsenkreisen vorerst keine Sorgen.

Die angekündigte Dividendenerhöhung bei Thyssen hat auch das Geschäft in Stahlaktien belebt und zu besseren Kursen geführt. Zu einer Hausse in Stahlaktien ist es indessen bislang nicht gekommen, obwohl die Abschlüsse der Stahl-Konzerne eine kräftige Gewinnerholung bringen werden. Gefangen haben sich neuerdings die Maschinenbau-Aktien, ebenso die Bau-Werte. Jede Nachricht über eine Baupleite, so spekuliert man in Börsenkreisen, trägt dazu bei, daß es auf diesem Sektor schon bald zu gezielten Erleichterungen kommen wird. Die Diskussionen über die Wiedereinführung des Paragraphen 7b EStG sowie über die Vergabe staatlicher Bauvorhaben lösten bereits Meinungskäufe in Bau-Aktien aus. Wenn man bedenkt, daß Holzmann-Aktien ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 9,5 haben, wird niemand behaupten können, daß die Holzmann-Aktie sonderlich phantasievoll bewertet wird.

Überhaupt kann von einer „Überbewertung“ der deutschen Aktien schwerlich die Rede sein, wenngleich die Westdeutsche Landesbank das Kursniveau noch keineswegs für nach unten abgesichert erklärt hat. Aber das wird sich wohl erst im kommenden Jahr zeigen. Im Augenblick lebt der Aktienmarkt von der eingetretenen Zinssenkung. K. W.