Viele Leute meinen, die Jugend von heute sei brennend an der Technik interessiert oder lasse sich leicht dafür begeistern. Eltern, die solches glauben, schenken dann ihrem Sohn einen jener vielen Lehrbaukästen, deren Hersteller nicht müde werden, zu versichern, damit könne ein Kind spielend lernen, wie ein Elektromotor, ein Radio oder ein Computer funktioniert. Der so bescherte Knabe aber verliert schnell den Spaß an der Sache. So märchentantenhaft ihm die Arbeitsweise etwa eines Transistors im Anleitungsbuch auch geschildert wird, einfach ist dies alles eben doch nicht zu verstehen. Einfach ist es auch nicht, die vielen fummeligen Einzelteile zusammenzubauen und zu verdrahten; es dauert lange, bis ein Experiment zusammengewerkelt ist, meistens funktioniert es nicht auf Anhieb, weil irgendwo im Draht- und Stöpselgewirr eine Winzigkeit übersehen wurde – der Junge verliert die Geduld, und am Ende ist ihm die Technik eher verleidet, denn nähergebracht. Vater ärgert sich und befindet: Der teure Kasten taugt nichts.

In Wirklichkeit hatte die Enttäuschung nicht so viel mit der Qualität des Lehrspielzeugs zu tun, als vielmehr mit dem eingangs erwähnten Vorurteil. Kinder von heute sind nicht weniger, aber auch nicht mehr an technischen Dingen interessiert, als es die Väter und Großväter von heute in ihrer Jugend waren. Die meisten Mädchen und Jungen finden es zwar dufte, mit einem Gerät, das etwas tut, herumzuspielen; aber warum es dies tut, ist eine Frage, die viele nicht sonderlich bewegt.

Aber es gibt Jugendliche und es gibt Erwachsene, denen man mit technischem Lehrspielzeug viel Freude bereiten kann, die stundenlang an einem Apparat herumbosseln, der am Ende nur ein bißchen piepst, Lämpchen blinken läßt oder – in recht mäßiger Qualität – Radiomusik von sich gibt. Weil man verstehen lernt, warum sie das tun, machen diese simplen Geräte Spaß. Wer ihn empfindet, wird allmählich das Unbehagen gegenüber dem Popanz Technik verlieren, vielleicht sogar Erfinderlust verspüren.

Welches Kind gehört aber zu dieser Minderheit der wißbegierigen Tüftler? Das läßt sich jetzt verhältnismäßig billig testen – mit dem Experimentierkasten „Electronic-Erstkontakt“ der Deutschen Philips (Preis 19,50 Mark). Mit handelsüblichen elektronischen Einzelteilen, die vermittels Klemmfedern auf einer Plastik-Lochplatte zusammengeschaltet werden, lassen sich transistorgesteuerte Wunderdinge basteln, zum Beispiel ein automatisches Treppenhaus-Licht, eine Warnanlage, die Signal gibt, wenn jemand (ein Einbrecher) eine Tür oder ein Fenster geöffnet hat oder ein Gerät, das merkwürdige Töne abgibt und mit dem man das Gehör prüfen kann. Vor allem aber werden elektronische Grundbegriffe in den Experimenten erläutert. Ein elfjähriges Kind dürfte – einschlägige Neigung vorausgesetzt – keine Schwierigkeiten haben, dem etwas betulichen Text zu folgen und zu begreifen, was Widerstände, Kondensatoren, Dioden oder Transistoren sind und wie sie arbeiten.

Empfehlenswert ist es, dem Kind einen Seitenschneider zum Abzwicken der Drähte und eine Entisolierzange dazuzugeben. Das erleichtert das Experimentieren erheblich.

Für fortgeschrittene Elektronikbastler, solche also, die schon Radios, Lichtorgeln und logische Schaltkreise gebaut haben, hat Philips ebenfalls eine Neuerung zu bieten – diesmal freilich für einen stolzen Preis: zwei Experimentierkästen, die als Fortsetzung des seit Jahren auf dem Markt befindlichen Philips-Elektronikbaukasten EE 1003 gedacht sind. Zum erstenmal bekommt hier der Elektronikhobbyist Gelegenheit, mit einer Bildröhre Erfahrungen zu sammeln, ja, sogar einen veritablen Fernsehempfänger selbst zu bauen, der durchaus betrachtenswerte Bilder liefert.

Der Experimentierkasten EE 1007 (Preis 295 Mark) macht zunächst den Bau eines Oszilloskops möglich, eines Gerätes, das elektrische Schwingungen sichtbar und viele Funktionen elektronischer Bauelemente und Schaltungen bildhaft macht. Mit dem Material dieses Kastens zusammen mit dem des Grundbaukastens EE 1003, ohne den man nicht auskommt, läßt sich eine Fülle sehr eindrucksvoller Schaltungen etwa aus der Radar- oder der Computertechnik verwirklichen.