Von Kai D. Eichstädt

Heinrich Peesel, Chef der Braunschweiger Rollei-Werke, schlug Warnungen seines Aufsichtsrates in den Wind. „Peesel, sei vorsichtig“, wurde ihm geraten, doch der Rollei-Boß hatte bereits zwölf Journalisten zum intimen Plausch in die Rollei-Zentrale geladen. Motto der kurzfristig angesetzten Pressekonferenz: Hat sich Rollei mit seinem Engagement in Singapur übernommen?

Erst vor einem halben Jahr hatte Peesel Journalisten aus aller Welt in den fernöstlichen Inselstaat geladen, um ihnen zu demonstrieren, wie klug und weise seine Entscheidung von 1970 war, dort Produktionsstätten zu errichten. Inzwischen sind in fünf Rollei-Betrieben in Fernost rund 5200 Arbeitskräfte beschäftigt. Rollei investierte über 120 Millionen Mark.

Auf der Blitzkonferenz in Braunschweig war von der Singapur-Euphorie nicht viel zu spüren. Und Peesel lud auch nicht aus freien Stücken zum Gespräch. Das Hamburger Manager Magazin (MM) stellt Rollei diese Woche unter der Rubrik „Mismanagement“ vor. Fünf Stunden hatten sich Mitte Oktober zwei Redakteure von MM mit Peesel unterhalten. Hinterher wurde der Rollei-Boß offenbar das Gefühl nicht los, daß sich etwas über ihm zusammenbraut.

Den Hamburger Rechercheuren war ein interessantes Papier in die Hände geraten. Aus der Kopie eines vertraulichen Berichts der Unternehmensberatungs-Gesellschaft Spencer Stuart erfuhren sie, daß im Rollei-Management nicht alles ganz reibungslos läuft.

Peesels Flucht nach vorn litt allerdings unter Informationsmangel. Vergeblich hatten die Braunschweiger versucht, vor Erscheinen des Hamburger Magazins ein Exemplar des Blattes zu ergattern. Nachdem die Bitte, das Manuskript vor Drucklegung gegenzulesen, nicht erfüllt wurde, handelte Rollei auf eigene Faust.

Bei Mandruck, der MM-Druckerei in München, verschaffte sich ein Rollei-Abteilungsleiter aus Braunschweig Einlaß. Er stellte einen Druckauftrag von Rollei in Aussicht. Beim Rundgang durch die Druckerei ließ er jedoch seine wahren-Absichten durchblicken: Statt für Druck- und Qualitätsproben interessierte er sich für den Druckbogen mit der Rollei-Geschichte. Als Wehklagen nichts nützten, wurde der Rollei-Gesandte konkret: „Könnten Sie mir nicht den Druckbogen beschaffen?“ fragte er seinen Begleiter.