Kiel

Zwei schleswig-holsteinische Pastoren sollen abgekanzelt werden; beide verstehen sich zu gut mit ihrer Gemeinde und zu schlecht mit dem Kirchenvorstand. So kann nach Ansicht der Kirchenvorstände von Ellerau und Brokstedt im Kreis Segeberg die Kirche nur im Dorf bleiben, wenn die Seelsorger in die Wüste geschickt werden.

Pastor Jan Harbeck, der in Brokstedt noch zur Probe predigt, soll nach Angaben des Kirchenvorstandes mit den Konfirmanden bevorzugt Kreuzworträtsel lösen. „Meine Tochter“, so beklagte sich ein Kirchenvorstandsmitglied, „kennt bis heute nicht die Gebote.“ Bei der Gemeinde aber findet der Pastor mit seiner Methode großes Verständnis.

Harbeck selbst, den man hin und wieder in Lederjacke durch den Ort gehen sieht, der Bonbons verteilt und etwas von Fußball versteht, passionierter Jäger und Funkamateur ist, muß sich vom Kirchenvorstand sagen lassen, daß er durch Überbetonung seiner Hobbys sich zu wenig um die seelsorgerischen Aufgaben kümmert. Kirchenvorstandssprecher Gripp, der Harbeck zugute hält, daß er keine Irrlehren verbreitet, wirft ihm vor, daß er versuche, den Kindern im Konfirmandenunterricht soziales Verhalten beizubringen anstatt brennende Probleme aufzugreifen.

Pastor Harbeck hält diese Vorwürfe für ungerechtfertigt. Zwar gehe er einen ziemlich unkonventionellen Weg, bisher habe ihm aber niemand beweisen können, daß seine Methode erfolglos sei. Schließlich habe er den nötigen Kontakt zur Bevölkerung gefunden.

Ebenso wie dem Brokstedter Pastor hat auch der Kirchenvorstand von Ellerau seinem Seelsorger die Leviten gelesen. Der 31jährige Eckhard Gallmeier führt nach den Worten des Kirchenvorstandssprechers Hühnke sein Amt selbstherrlich und verletze zudem noch seine Pflichten. So habe der Pastor einer kirchlichen Angestellten gekündigt, ohne den Vorstand zu fragen. Dazu Gallmeier: Die Angestellte habe ihre Vertrauensstellung mißbraucht, indem sie von Pontius zu Pilatus gelaufen sei und ihm vorgeworfen habe, er behandele seine Angestellten wie Schweine. Außerdem habe sie ihm die Arbeit mit den Worten „Machen Sie Ihren Scheiß doch alleine“ vor die Füße geworfen.

Die wahren Gründe der Kampagne gegen ihn sieht Gallmeier jedoch woanders: Die 2500 Einwohner des Ortes leben mehr oder weniger von einer Stoffabrik, dessen Besitzer nach Ansicht einer Initiativgruppe „Für eine Gemeindearbeit im Interesse der Bevölkerung“ nicht nur über seinen Betrieb, sondern über den ganzen Ort herrsche. Die Bevölkerung jedoch, die es nicht länger dulden will, daß der Fabrikant mit ihr umspringt wie es ihm passe, habe in Gallmeier tatkräftige Unterstützung gefunden.