Von Marietta Riederer

Paris, im November

Das erstaunlichste an der Pariser Pret-àporter-Mode für den kommenden Sommer: Das Handwerkliche wird verfeinert, burschikose Jeans-Trägerinnen werden zu superfemininen Gestalten von lässiger Eleganz. Eine lieblich sanfte Mode, in der Stadt zu tragen, aber mit einer Sehnsucht nach Landleben in frischer Luft. Sie macht der klassischen Stadtmode den Garaus.

Schuld daran ist der neue Rock. Er hat das Bild vollständig verwandelt. Wie einst die Röcke von Monat zu Monat kürzer wurden, werden sie jetzt länger und länger. Von der Moder Avantgarde bereits akzeptiert, in Tweed schon in den Boutiquen angeboten und durch die Pariser Straßen laufend, ließen einige Haute-Couturiers noch schnell über Nacht die Säume bis zum letzten Zentimeter fallen, um up to date zu sein.

Sogar amerikanische Einkäufer, erbitterte Gegner des „großen Rockes“, ließen sich dieses Mal überzeugen durch das vielfältige, breite Angebot, durch schmale Hüften, schwingende Säume, neue Proportionen. Kurz, sie wurden zusehends „high“ für den längeren und langen Rock.

Die Sehnsucht nach dem Land wird auch in Stoff und Farbe deutlich. Ungebleichte Baumwolle, Leinen, feinfädiger Popeline, Voile, feinrippiger Kordsamt sind neben Crêpe de Chine und neuen knitterfreien Kunstseiden führend. Als Muster: Streifen aller Breiten, kleinere Geometrics, Wiesenblumen in natürlicher Größe bis zum kleinsten „Mille-fleurs-Dessin“. Sahne- und Eierschalentöne dominieren. Honig-, Stroh- und Milchkaffeefarben folgen. Rot kommt als Tomate, als Lachs- bis Krevettenrosa und als dunkles Rot köstlicher Konfitüren. Grün ist blattfrisch, fahl wie Minze, bleich wie Sellerie oder sanft wie Mandelgrün. Blau ist wie in jedem Sommer Marine, neuer aber als klares Kornblumenblau, matt wie Lavendel oder zartes Nebelblau. Naturweiß ist immer dabei, zumindest als Aufheller, meistens aber vorherrschend.

Der „große Rock“ brachte auch das Kleid zurück. Zum Sommer ländlich gestimmt – das, was man früher „Waschkleid“ nannte. Hauskleider, Schürzen- und Wickelkleider, die Taille zeigen, den Rücken nackt lassen und kurze weite Ärmel haben. Kimonoschnitte hingegen und viel Blusiges geben ein neues Volumen, ebenso die locker fallenden Kittelkleider für Hochsommertage.