Im Brennpunkt

Die Ölkrise

Ein Land stellt sich auf den Ölboykott ein Die Devise: Vorhänge zu, Fahrräder raus

Von Klaus-Peter Schmid

Den Haag, im November

Landsleute, zieht die Vorhänge zu", appellierte Hollands Wirtschaftsminister Ruud Lubbers an sein Volk – und die Holländer machten die Gardinen dicht, um Wärme zu sparen. "Sie können heute alle eine Million Liter Benzin sparen, ohne einen Kilometer weniger zu fahren", verkündeten die zehn größten Mineralölkonzerne des Landes – und Hollands Autofahrer begnügten sich mit Tempo 100, um mit dem knappen Benzin hauszuhalten.

Gelassen und diszipliniert wehren sich die Niederländer gegen eine Gefahr, die ganz Europa droht, die aber Holland in der vergangenen Woche als erste Industrienation zu spüren bekam: den totalen Ölkrieg. Verschreckt erklärte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums im Haag: "Wenn der Ölboykott gegen unser Land vier oder fünf Monate dauert, dann droht den Niederlanden ein wirtschaftlicher Schlag, von dem wir uns kaum mehr erholen könnten."