Die programmatischen Reden zur Eröffnung der Wiener Konferenz über Truppenabbau in Europa zeigten in der vergangenen Woche ebenso gegensätzliche Zielvorstellungen wie am Ende der Vorgespräche vor vier Monaten.

Die zwölf Nato-Länder wollen die Disparität der Streitkräfte beider Militärblöcke in Europa – die zahlenmäßige Überlegenheit des Warschauer Pakts – beseitigen. Der Ostblock hingegen macht das Festhalten am bestehenden Kräfteverhältnis zur Voraussetzung für einen erfolgreichen Konferenzverlauf; er will nur einem gleichmäßigen numerischen oder prozentualen Abbau zustimmen. Deshalb wehrt er sich verbissen gegen den Buchstaben B =ausgewogen (balanced) im Konferenzkürzel MBFR.

Während die Nato keine Atomwaffen in die Reduzierungen einbeziehen will, sind die kommunistischen Staaten an deren Verminderung interessiert. Strittig ist bisher auch der Status Ungarns: „Flankenstaat“ oder nicht, das ist hier die Frage. Für Moskau zählt Ungarn, obwohl hier 39 000 Sowjetsoldaten stehen, nicht zum Reduzierungsraum; es rechnet nur die DDR, Polen und die ČSSR auf östlicher Seite, die Bundesrepublik und die Benelux-Staaten im Westen dazu.