Der Skandal der Intendantenwahl am Norddeutschen Rundfunk (NDR) ist beispiellos. Noch nie wurde eine Rundfunkanstalt mit solcher Anmaßung und Unverfrorenheit zum Tummelplatz heillosen Parteiproporzes gemacht. „Verquast, krude und unqualifiziert“ und von „dreister Scheinheiligkeit“ – das sind noch, die harmlosesten Urteile über das Gebaren des NDR-Verwaltungsrates und vor allem seines Vorsitzenden, des Hamburger CDU-Chefs Jürgen Echternach, der ohne eine genaue Begründung die Wiederwahl des Intendanten Gerhard Schröder (SPD) hintertreibt.

Seit Wochen blockieren sich die vier CDU- und vier SPD-Mitglieder des Verwaltungsrates gegenseitig. Das Ergebnis des blamablen Gerangels: Der Verwaltungsrat hat in Verletzung seiner Pflichten den Wahltermin übergangen. Der NDR hat seit dem 7. November keinen Intendanten, und als geschäftsführender Interims-Direktor amtiert zunächst Hans Dietrich Schwarzkopf (CDU).

Eines konnte die CDU bisher immerhin erreichen: Schröder, mit dem sich inzwischen Betriebsrat, Betriebsversammlung und Redakteursversammlung solidarisch erklärten, ist zurückgedrängt. Das Kandidatenkarussell rotiert weiter. Inzwischen aber reden auch noch andere mit. Denn die Fäden des Hamburger Marionettentheaters hängen in den Parteizentralen und Staatskanzleien der drei Rechtsaufsicht führenden Länder (Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein) und zudem noch dort, wo auch der Intendant der „Deutschen Welle“ und der neue ZDF-Direktor gekürt werden – bei den Bundesvorständen der Parteien.

So angenehm den Landespolitikern die Pfründe der Aufsichtsgremien sind und soviel Macht sie in ihren Positionen besitzen: Der Proporz-Poker um die Spitzenjobs wird längst auf Bundesebene ausgetragen, und das Programm wird derweil immer fader, öffentlich-rechtlicher Rundfunk, innere Pressefreiheit, unabhängige Berichterstattung? So etwas steht allenfalls noch in den Gesetzen. W. D.