Der Dollar ist ein Rekonvaleszent, dem es von Tag zu Tag besser geht. Der Devisenmarkt spiegelt den Genesungsprozeß in den Kursen wider. Innerhalb weniger Wochen ist er von seinem tiefsten Stand – 2,2835 Mark – auf 2,4930 Mark gestiegen. Das ist eine Aufwertung des Dollars und eine Abwertung der Mark. Helmut Schmidts Wort, nach dem die Mark nicht mehr aufgewertet, sondern abgewertet würde, findet in diesen Tagen gegenüber den USA seine Bestätigung.

Die Ursache der Dollar-Renaissance ist die günstige Entwicklung der amerikanischen Zahlungsbilanz. Das Defizit in der Handelsbilanz sank von 7 Milliarden Dollar im Jahre 1972 auf eine Jahresrate von 3,5 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 1973. Professor Arthur Burns, der Chef des US-Zentralbanksystems, glaubt, daß es seither ganz verschwunden sei. Das Defizit in der Grundbilanz, die ein brauchbares Barometer für die Beurteilung der Großwetterlage auf den Devisenmärkten ist, schrumpfte von zehn Milliarden Dollar im Jahre 1972 auf eine Milliarde Jahresrate im dritten Quartal 1973. Wenn nicht unvorhergesehene Dinge passieren, kann die Grundbilanz 1974 durchaus ins Plus kommen, zum erstenmal seit 1957.

Dann wird die Bedingung erfüllt sein, an die der amerikanische Finanzminister George P. Shultz immer die amerikanische Zustimmung zu einer Reform des Währungssystems geknüpft hat. Aber Europa darf sich keinen Illusionen hingeben: Dann kommt die Reform, die die Amerikaner meinen. R. H.