Düsseldorf

Sichtlich erleichtert verließ Heinrich Köppler den rheinischen CDU-Parteitag, nachdem ihm Späher aus Dortmund vom dortigen Kongreß der westfälischen Union die überraschende Übereinstimmung beider Regionalverbände in der Mitbestimmungsfrage signalisiert hatten. Was noch vor einem halben Jahr unmöglich schien, ergab sich ohne Zank und Bruch wie von selbst: die stets mehr als links geltende CDU-Rheinland stimmte mit der durch Männer wie Josef Hermann Dufhues und jetzt durch Heinrich Windelen als rechts-konservativ abgestempelten CDU-Westfalen darin überein, „daß gleichgewichtig Sitz und Stimme“ zwischen Arbeitnehmern und Anteilseignern im Aufsichtsbzw. Unternehmensrat verteilt sein müssen.

Für Hans Katzer, den Vorsitzenden der Sozialausschüsse, war das Wochenende der beiden CDU-Verbände, die in Frimmersdorf bei Köln und in Dortmund getagt hatten, „die Bestätigung des neuen Anfangs“, der von den Sozialausschüssen generalstabsmäßig vorbereitet worden war. Sämtliche Gewerkschaftsfunktionäre, sofern sie der CDU angehörten, hatten seit Monaten mit den jüngeren Unionsmitgliedern in Betrieben und in Versammlungen für die Parität geworben. Dabei zog vor allem das Argument, die SPD habe an Rhein und Ruhr nur deswegen im November 1972 haushoch siegen können, weil die CDU ihre Sozialausschiisse mit den Modellen für Mitbestimmung und Vermögensbildung öffentlich im Stich gelassen habe. Der Gewerkschafter und Bundestagsabgeordnete Ferdinand Breidbach: „Die haben uns doch einfach ausgelacht, wenn wir um Stimmen für Barzel werben wollten, der obendrein ja für die Mitbestimmung war. Die Herren Dregger haben unsere Leute in die Arme Willy Brandts getrieben.“

Inzwischen hat sich die rheinische CDU wieder gefangen. Auch im neuen Landesvorstand sind trotz der Abwahl zweier Katzer-Leute die Männer vom Gewerkschaftsflügel noch stärker vertreten. Mit Katzer zogen wieder Wolfgang Vogt und Adolf Müller (stellvertretender DGB-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen), ferner Jürgen Rosorius und Ferdinand Breidbach ein, und Sozialminister a. d. Konrad Grundmann blieb trotzdem weiter einer von vier Stellvertretern Heinrich Köpplers, der 360 von 440 Stimmen bekommen hatte. Als „Betriebsunfall“ werteten Parteitagsteilnehmer die Wahl des früheren SPD-Abgeordneten Herbert Hupka in den Landesvorstand. Vor einem Jahr in die CDU-Bundestagsfraktion übergewechselt plazierte er sich jetzt mit 181 Stimmen im höchsten rheinischen Führungsgremium. Hupka erhielt knapp 30 Ja-Zettel mehr als der ehemalige CDU-Generalsekretär Konrad Kraske.

Wie sehr Köpplers CDU Harmonie und Geschlossenheit wünscht, um ein auffälliges Kontrastprogramm zur SPD sichtbar zu machen, bekam die Junge Union schmerzlich zu verspüren. Ihr Landesvorsitzender Klaus Evertz, Vertreter einer begrenzten Konfliktstrategie gegenüber der Mutterpartei, gleichwohl ein bedächtiger und solidarischer Nachwuchsmann in der Landtagsfraktion, fiel als Kandidat bei der Wahl zu den vier Stellvertretern Köpplers durch. Echo der Mitte: „Wir wollen keinen Stunk!“ Es werde „zügig aufwärts gehen“, postulierte Paul Mikat, dem das CDU-Grundsatzprogramm zum Jubel der meisten Delegierten nicht, gefiel: „Unlesbare Lesebuch-Geschichten – auffallend häufig verweist der Bericht auf die geschichtlichen Leistungen der CDU und wertet den politischen Gegner ab –, dafür sollten wir keine Zeit mehr haben!“

Heinrich Köppler und Hans Katzer, seit letztem Wochenende Arm in Arm, nachdem auch persönliche Unstimmigkeiten in aller Stille bereinigt worden sind, geben sich wie hochgestimmte Propheten am Feiertag: „Auch das Ruhrgebiet knacken wir noch!“

Horst-Werner Hartelt