Von Sybil Gräfin Schönfeldt

Mitten in das lauteste Hausmeistergeschrei und Erwachsenengeschimpfe, in alle redlichen und rüden Versuche, Kinder zu emanzipieren, hoppelt höchst ungeniert eine ganze Schar von altmodischen (englischen) Tieren. Nostalgie? Flucht vor der pädagogischen Eintönigkeit? Logischer Rückschlag ins Poetische? Explosion des so lange unterdrückten Gefühls? Dämmernde Erkenntnis, daß es selbst zu viktorianischen Zeiten schon Menschen gegeben hat, die Kinder verstanden? Wie auch immer: Warmherzigkeit, Phantasie und Humor, Gefühl für Sprache und ihre dichterische Kraft sind wieder da, und zwar überall. Und sie werden so unverhohlen begeistert begrüßt, wie es noch vor einem Jahr kaum möglich gewesen wäre.

Allen voran

Kenneth Grahame: „Der Wind in den Weiden“, aus dem Englischen von Harry Rowohlt; Gertraud Middelhauve Verlag, Köln 1973; 196 S., 200 Abb., 17,80 DM

ein englischer Bestseller seit 1908, der seitdem kein Jota von seiner Frische, Ursprünglichkeit und von seiner genialen Beziehung zum Kinderleben unter allen -ismen und Bedingungen eingebüßt hat. Die Helden: Tiere am Fluß, kleine weiche pelzige Tiere mit allen, Ungeschicklichkeiten, Ungereimtheiten, Spontaneitäten, mit aller Angeberei und Sehnsucht nach Freundschaft wie Kinder.

Genau wie sie kämpfen sie sich durch alle Fallstricke und Irrtümer und Herrlichkeiten der Kindheit zum Leben durch, und es ist Pan, der seine furchtbare und süße Flöte über ihnen erklingen läßt, es ist die Natur und der unleugbare Anteil des Kindes an der Natur, was den turbulenten Abenteuerroman der Tiere zugleich zu einer der schönsten Geschichten vom Leben macht.

Noch etwas älter als Grahame ist Beatrix Potter, die 1901 ihren „Peter Rabbit“ als erstes Bilderbüchlein von einer ganzen Reihe geschrieben und zierlich bunt getuscht hat –