/ Von Rudolf Herlt

Haben die privaten Banken das Wohl der Allgemeinheit aus den Augen verloren? Dieser Eindruck muß sich aufdrängen, wenn man hört, daß auf dem nordrhein-westfälischen Landesparteitag der SPD und beim Gründungskongreß der sozialdemokratischen „Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen Anträge angenommen wurden, in denen schlicht die Verstaatlichung der Banken gefordert wird. Die beiden Anträge sind jedoch nur die Spitze eines Eisberges von Kritik.

Die Banken sind unter Beschuß geraten. Nicht alle freilich, sondern vor allem jene, die nicht im Eigentum der öffentlichen Hand oder unter ihrem Einfluß stehen: die Großbanken, die Regionalbanken und die Privatbankiers. Drei Sünden werden ihnen vorgeworfen:

1. Sie vernachlässigen ihre gesamtwirtschaftliche Verantwortung; statt die Geldpolitik der Bundesbank zu unterstützen, durchkreuzen sie sie und heizen damit die Inflation an.

2. Da sie Geschäfte auf eigene Rechnung und für Rechnung der Kunden machen, entscheiden sie im Konfliktfall gegen den Kunden.

3. Durch branchenfremde Beteiligungen, Aufsichtsratsmandate und das Vollmacht-Stimmrecht sind sie heimliche Kontrolleure der Wirtschaft.