Bisher hatte Fiat viele Gesprächspartner, wenn Tarife ausgehandelt wurden: die drei Hauptgewerkschaftsverbände, die Metallgewerkschaften, die autonomen Gewerkschaften, die regionalen Arbeitskammern und die Betriebsräte. Seit der vergangenen Woche steht dem größten privaten italienischen Arbeitgeber nur noch ein einzigerKontrahent gegenüber.

Monatelang hatte Luciano Lama, Chef des kommunistisch bestimmten Hauptgewerkschaftsverbandes CGIL um diese Einheit im Arbeitnehmerlager gekämpft. Jetzt hat er sie verwirklicht. Außerdem hat Lama auch sein Konzept für die Strategie des Tarifkampfes mit Fiat durchgesetzt. Danach werden Italiens Gewerkschaften von Fiat bei ihren Verhandlungen um die Betriebstarife nicht in erster Linie günstigere Bedingungen für die 200 000 Beschäftigten verlangen – sondern auch neue Arbeitsplätze in Süditalien. Der Autokonzern soll gezwungen werden, neue Werke in den Entwicklungsgebieten des Landes zu bauen.

Da sogar die Kommunisten eingesehen haben, daß Fiat durch die ständigen Streiks der letzten vier Jahre im internationalen Wettbewerb abgerutscht ist, will man diesmal die Lohnrunde möglichst ohne Ausstand überstehen. Die Gewerkschaften bieten sogar von sich aus eine bessere Nutzung der Anlagen an. Danach könnte Fiat in den süditalienischen Werken künftig sechs Wochentage in drei Schichten zu je acht Stunden arbeiten lassen, wenn der Konzern dagegen konkrete Zugeständnisse für weitere Arbeitsplätze in Süditalien macht. Voraussetzung ist natürlich, daß den Arbeitern, die bisher fünf Wochentage zu je acht Stunden tätig waren, der gleiche Lohn wie bisher gezahlt wird. Auch weitere Verbesserungen der Arbeitsbedingungen streben die Gewerkschaften an.

Freilich mußte Lama der Gewerkschaftsbasis und den Dachgewerkschaften Konzessionen machen. Deren Vertretern ist bare Münze wichtiger als Reformstrategie. So stecken in dem neuen Einheitspaket auch tarifliche Forderungen nach mehr Urlaubsgeld, höheren Schichtprämien und billigerem Kantinen-Essen. Die linksextrem orientierte Basis vor allem der Turiner Fiat-Betriebe fürchtet, daß sie bei straffer Verhandlungsführung der Hauptverbände um das gewohnte Spektakel klassenkämpferischer Streikaktionen kommt. Die nächste Wochen werden zeigen, wie weit die Hauptverbände das Fußvolk zur Raison gebracht haben. Fiat jedenfalls ist konzessionsbereit, denn Produktionsverluste würden an die Substanz gehen. Der Konzern wird versuchen, als Gegenleistung eine Aufhebung des staatlichen Preisstopps für seine Wagen einzuhandeln. In Rom liegt ein Antrag für sechs bis zehn Prozent Preiserhöhung, je nach Modell. fg