Der deutsche Aktienkurszettel wird um ein Papier reicher. Ein Bankenkonsortium bietet 1,46 Millionen Stück junge Aktien der Badenwerk AG, Karlsruhe, an. Bisher war dieses Elektroversorgungsunternehmen im Alleinbesitz des Landes Baden-Württemberg, das künftig nur noch 75 Prozent des 300 Millionen Mark betragenden Aktienkapitals plus eine Aktie halten wird. Damit bleibt die Dreiviertelmehrheit gesichert. Das Land Baden-Württemberg legt bei der Plazierung der jungen Aktien Wert auf eine breite Streuung. Deshalb sollen Kleinzeichner (bis zu 25 Stück) bevorzugt berücksichtigt werden. Die Aktien des Badenwerks werden in Stuttgart, Düsseldorf, Frankfurt und München amtlich notiert werden.

Offensichtlich wird die Aktie zu einem reizvollen Kurs angeboten. Die Zeichner sollen je 50-Mark-Aktie „nur“ 128 Mark bezahlen. Geht man davon aus, daß im laufenden Geschäftsjahr ein Gewinn je Aktie von 14 Mark (1972:12 Mark) erzielt werden wird, so ergibt sich ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 9,1. Bei den RWE-Stammaktien, die nach Ansicht der Börsianer preiswert sind, beträgt das Kurs/Gewinn-Verhältnis – wie aus nebenstehender Tabelle hervorgeht – 12,7, bei den Aktien der Hamburgische Electricitäts-Werke AG 11,1. Es sieht danach aus, als ob man dieser Aktie bewußt zu einem guten Start verhelfen will, um darzulegen, daß die Idee der Volksaktie noch längst nicht tot ist.

1972 hat das Badenwerk bei einem Umsatz von 697 Millionen Mark einen Überschuß von 50 Millionen erwirtschaftet. Daraus hat der Großaktionär eine Dividende von elf Prozent erhalten. Für 1973 ist, wie es heißt, zumindest für die freien Aktionäre an eine Anhebung der Ausschüttung von 5,50 auf 6,50 Mark je 50-Mark-Aktie gedacht. Man spricht sogar davon, den freien Aktionären gegenüber den Namensaktien des Großaktionärs einen Dividendenvorsprung von zwei Prozent einzuräumen. Entsprechende Zusicherungen liegen indessen noch nicht vor. Die Aktien würden aber auch ohne diese Bevorzugung preiswert sein.

Beim Badenwerk handelt es sich um ein ertragskräftiges Energieversorgungsunternehmen. Analytische Recherchen haben ergeben, daß das Unternehmen in dem Zeitraum 1967 bis 1972 seine Steuerzahlungen beinahe vervierfacht hat. Das läßt auf ein überdurchschnittliches Wachstum schließen.

Die Badenwerk-Emission unterscheidet sich wohltuend von der Transaktion der Berliner Kraft- und Licht Bewag AG, Berlin (Börsenname: Bekula). Dieses Unternehmen besitzt den traurigen Mut, seinen Aktionären eine Kapitalerhöhung im Verhältnis 6:1 zum Ausgabekurs von 55 Mark für die junge Aktie im Nennwert von 50 Mark vorzuschlagen, obwohl beinahe im gleichen Atemzug bekanntgegeben wurde, daß die Dividende für 1972/73 (30. 6.) weiter von 6 auf 5,50 Mark gekürzt werden wird. Anzuerkennen ist; daß die Dividendenkürzung immerhin vor Durchführung der Kapitalerhöhung den Aktionären mitgeteilt wurde, so daß diese nicht blind in die Misere hineinrennen. Die Mehrheit des Bekula-Kapitals liegt beim Land Berlin. Wenn die Bekula-Aktie mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 8,4 preiswert erscheinen mag, so darf hier der Hintergrund nicht übersehen werden. Die freien Aktionäre werden vom Land Berlin nicht gerade zuvorkommend behandelt, ein Fall, dem sich die Schutzorganisationen privater Aktionäre: einmal annehmen sollten.

In einer Untersuchung hat die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank kürzlich festgestellt, daß das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis der Versorgungsaktien bei rund 13 liegt. Auch daraus geht hervor, daß in dem Kurs der jungen Badenwerk-Aktie eine gewisse Reserve stecken dürfte. Auf dem „freien Markt“ wurde sie auch bereits über 130 Mark bewertet. K. W.