Frederik Hetmann (oder mit bürgerlichem Namen Hans Christian Kirsch), diesjähriger Träger des „Deutschen Jugendbuchpreises“ für „Ich habe sieben Leben – Leben und Sterben des Ernesto Che Guevara“ (Beltz & Gelberg, Weinheim), gehört zu unseren vielseitigsten und produktivsten Autoren für Kinder, mehr noch für junge Leute. Nach langjähriger Pause als Erzähler für die junge Generation präsentiert er in diesem Jahr eine bemerkenswerte Story –

Frederik Hetmann: „Treiben wie ein Baum im Fluß“; Georg Bitter Verlag, Recklinghausen 1973; 144 S., 13,80 DM.

Der romantisch-verklärende Umschlag – ein junger Mann, wie Bacchus mit Laub oder Nadelgehölz das Haupt begrünt, zwei Denkblasen darüber mit Pferd und blondem Mädchen – ist das – glatte Gegenteil der knallharten Geschichte. Den Rahmen bildet eine effektsicher aufbereitete Tragödie vom Jungen Billy-Joe, der erleben muß, wie sein alternder Vater als Uransucher in Utah scheitert, wie ihm seine Ehe zerbricht und er von einem skrupellosen Konkurrenten ermordet wird. Der Junge kommt bei dieser Untat beinahe selbst ums Leben und treibt schwerverletzt einen einsamen Canyon-Fluß hinab.

Dieser Rahmen umschließt zwei Erzähl teile: die Sehnsucht des Jungen, einmal Rodeo-Reiter werden zu können, und die bittersüße Geschichte seiner Liebe zu einer 30jährigen Frau. Das segelt erzählerisch fast bis an den Rand dessen, was gemeinhin als billige Kolportage oder Trivialität vom höheren literarischen Tisch gewischt wird. Bei Hetmann-Kirsch aber paßt es, gut motiviert, erzählerisch gebändigt, menschlich anrührend und packend, fugenlos ineinander. Natürlich schwingt in der Geschichte ein romantischer Hauch früherer Bücher des Autors mit, doch über „Bring den Schnee durchs Feuer“, „Blues für Ari Loeb“ oder „Mit Haut und Haaren“ hinaus ist hier asketischer, ökonomischer, damit wirkungsvoller verfahren worden. Auf junge Leser ab 13 müßte von diesen Qualitäten einiges ausstrahlen.

Horst Künnemann