Allende war Arzt, mit allen Eigenschaften eines Bürgers. Er liebte die Frauen, er hatte Sinn für Humor, er legte wert darauf, sich an die Verfassung zu halten. Daß er mit einem Helm auf dem Kopf und einem Maschinengewehr in der Hand gestorben ist, das ist in gewissem Sinn ein romantischeres Ende als das des armen Che Guevara, der kläglich im bolivianischen Dschungel scheiterte und von Mücken gefressen wurde.

Graham Greene in einem Gespräch mit dem Pariser Nachrichtenmagazin „L’Express“

Isolierung nach Selbstisolierung?

Der DDR-Lyriker Reiner Kunze durfte zum erstenmal in Ostberlin öffentlich auftreten: In einer überfüllten Veranstaltung im Haus der ungarischen Kultur las der seit Jahren in seinem Land unterdrückte Schriftsteller von ihm aus dem Ungarischen übersetzte und eigene Gedichte. Sein im September, nach fünfjährigem, vom Kulturministerium der DDR verordneten Schweigen veröffentlichter Gedichtband „Brief mit blauem Siegel“ (Reclam Verlag) war in wenigen Tagen vergriffen. Die Anwesenheit des in diesem Jahr mit dem Preis der Bayerischen Akademie der Künste ausgezeichneten Dichters, der während eines ihm bewilligten München-Aufenthalts unerschrocken Interviews gegeben hatte, fürchten die Kulturfunktionäre jedoch so sehr, daß der Erste Sekretär des Schriftstellerverbandes der DDR, Henniger, sich gegen eine Teilnahme des Kollegen Kunze am siebenten DDR-Schriftstellerkongreß ausgesprochen hat, der vom 14. bis 16. November stattfindet. Soll Kunze, nachdem „Eulenspiegel“, die als satirisch geltende Wochenzeitung der DDR, bisher als einzige Zeitschrift den „Brief mit blauem Siegel“ der Registrierung für wert erachtet und den Autor der „Selbstisolierung“ bezichtigt hat, wieder in die Isolierung verbannt werden? Vor dem sechsten Schriftstellerkongreß (1968) war ihm „vergnatzter Individualismus“ vorgeworfen worden.

Theodorakis’ Rückkehr

Vor gut zwei Monaten hatte der griechische Komponist Mikis Theodorakis, der seit 1970 im Exil lebt, vorwiegend in Paris, den Entschluß gefaßt, nach Griechenland zurückzukehren. „Ich ziehe es vor, in Griechenland Werke zu komponieren, die nicht aufgeführt werden dürfen, anstatt im Ausland herumzureisen und für ein fremdes Publikum frei zu musizieren“, hatte er erklärt. Jetzt wurde in Athen offiziell bekannt gegeben, daß man ihn einreisen lassen werde. Ob seine Lieder in Griechenland wieder gespielt werden dürfen und, wenn ja, welche gespielt werden dürfen – das hingegen ist zur Stunde noch unklar. Musik, in Griechenland ein höchst populäres Mittel, Widerstand indirekt zum Ausdruck zu bringen, unterliegt einer besonders strengen Zensur. Immer noch gilt einer der ersten Befehle des Obristenregimes: Theodorakis darf nicht gespielt werden, und wer es dennoch tut, macht sich strafbar.

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