Der deutsche Kapitalmarkt nimmt Abschied vom Zehnprozenter. Die nächste Bundesanleihe wird einen niedrigeren Nominalzins aufweisen und damit bestätigen, was nicht mehr länger zu verheimlichen ist: Der Zins am Kapitalmarkt sinkt. Und zwar trotz aller Beteuerungen, am harten Restriktionskurs noch länger festhalten zu wollen. In Wirklichkeit ging die eigentliche Hochzinsperiode schon im Sommer dieses Jahres zu Ende. Damals lag die bei festverzinslichen Papieren erzielbare Rendite bei annähernd 12 Prozent, heute ist sie auf rund 9,5 Prozent gesunken.

Die öffentliche Hand hat die hohen Nominalzinsen ohne mit der Wimper zu zucken bewilligt; private Emittenten waren nicht in der Lage oder willens, sich langfristig so teuer zu verschulden. Daran wird sich vorerst auch nichts ändern. Die Wirtschaft sieht den Zeitpunkt für eine Konsolidierung noch nicht für gekommen.

Den Kapitalsammelstellen, also vor allem den Renten-, Pensionsfonds und Versicherungen, kommt die Zinssekung am Kapitalmarkt gerade recht. Auch den Kreditinstituten mit ihren hohen Rentenbeständen. Sinkende Zinsen bedeuten steigende Kurse der im Umlauf befindlichen Rentenwerte. Das mindert den zum Jahresende lästigen Abschreibungsbedarf auf Effekten. Auf der Strecke bleibt der Sparer, der künftig weniger an Zinsen erhält – bei kaum verminderten Inflationsraten. K. W.