Das Weiße Haus hat im Watergate-Skandal für eine neue Sensation gesorgt: Zwei der neun laut Gerichtsbeschluß herauszugebenden Tonbänder existieren nach amtlichen Angaben nicht: die Aufzeichnung eines Telephongesprächs zwischen Präsident Nixon und dem damaligen Justizminister Mitchell vom 20. Juli 1972 (der Apparat war angeblich nicht an die Abhöranlage angeschlossen) und die Aufnahme einer Unterredung Nixons mit seinem damaligen Rechtsberater Dean vom 15. April 1973 (die automatische Zeitschaltanlage soll nicht funktioniert haben). Dies teilte der Rechtsberater des Weißen Hauses, Buzhard, Mitte voriger Woche Bundesrichter Sirica mit.

Buzhard nannte dafür als Zeugen einen Geheimdienstbeamten, der für die Wartung der Aufzeichnungsanlage zuständig gewesen sei. Am Freitag wurde durch einen anderen Zeugen bekannt, daß Nixon schon am 29. September das Fehlen der beiden Bänder bemerkt hatte – das Weiße... Haus hatte, dagegen behauptet, dies sei erst am Mittwoch voriger Woche festgestellt worden.

Nach Deans Aussage hat Nixon in der April-Unterredung zumindest angedeutet, daß er an der Vertuschung des Skandals aktiv beteiligt war.

Diese Enthüllungen haben Nixons Glaubwürdigkeit noch weiter erschüttert. Von vielen Seiten wird ihm nahegelegt, freiwillig zurückzutreten, weil der „sichtbare Verfall“ (New York Times) seiner politischen und moralischen Autorität dem Lande nur noch Schaden zufüge. Diese Stimmung hat schon auf Nixons republikanische Partei übergegriffen. Der Präsident hat über mehrere Berater in der Öffentlichkeit versichert, er denke nicht daran, sein Amt aufzugeben.

In der vorigen Woche nominierte Nixon den republikanischen Senator William Saxbe zum neuen Justizminister (den vierten seiner Regierungszeit) und den konservativen Houstoner Anwalt Leon Jaworski zum neuen Watergate-Ankläger.