Von Sybil Gräfin Schönfeldt

Wem das Fleisch zu teuer ist, der liebäugelt jetzt mit Würsten. Wenn die Frankfurter auch in den letzten Wochen dreimal teurer geworden sind, so sind sie immer noch billiger als Steaks und Lende.

Aber was steckt im „zarten Saitling“, von dem aus dem Lebensmittel-Lexikon zu erfahren ist, daß es sich um einen Schafsdarm handelt? Wieso gibt es bei Würsten gleichen Typs und Namens so enorme Preisunterschiede? Und wenn es in Osnabrück schon Krach um Klopse gab (sie enthielten statt der vorgeschriebenen siebzig Prozent Fleisch und fünfundzwanzig Prozent Streckungsmittel nur dreißig Prozent Fleisch – der Rest waren Semmel und scharfe Gewürze), ist es da nicht purer Zufall, daß es noch keinen Skandal um Salami gab?

Ich muß nur lesen, woraus Wurst hergestellt wird: Muskelfleisch, Schlachtfett, Blut und Innereien, das heißt Gekröse, Hirn, Herz, Euter, Leber Lunge, Knorpel (Schweinsohr), Milz, Nieren, Rindermagen, Sehnen, Zunge, Schwarten, Kopf- und Beinhäute ... dann denke ich daran, daß manche Würste bis zu fünfzig Prozent aus Fett bestehen (dürfen).

Und daß Brühwürste nach den geltenden Bestimmungen der einzelnen Verwaltungsbehörden einen Wasserzusatz von „nicht mehr als zwanzig Prozent“ enthalten müssen. Deshalb stellt man Brühwürste am liebsten aus dem Fleisch bald nach dem Transport geschlachteter Tiere her, weil dies besonders viel „Leimigkeit und damit Bindigkeit“ besitzt, so daß es tüchtig Wasser schlucken kann – ohne daß dann bei der fertigen Wurst „bei leichtem Druck Wasser auf der Schnittfläche“ austritt.

Dann denke ich an die leicht tadelnden Worte der Vorsitzenden des Deutschen Hausfrauenbundes, Erika Luther, die beim Klops-Krach gesagt hatte, sie sei verwundert, daß die Behörden und die Hausfrauen jahrelang nichts von dieser Lebensmittelfälschung gehört hätten. „Gefälschte Frikadellen sind leicht zu erkennen. Je weicher eine Frikadelle ist, desto mehr Brötchen ist darin enthalten. Oft wird der Brotgeschmack durch scharfes Würzen übertönt.“

Das ist es ja gerade! Die Fachfrau braucht die Frikadelle nicht einmal zu essen, sie spürt schon mit den Fingerspitzen die Semmel im Fleisch. Aber die armen Büromädchen und jungen Männer, die sich eben mit diesen Semmelfrikadellen jahraus jahrein ernähren, weil sie sich selber keine braten können, sie haben doch nie geschmeckt, wie wahre Hacksteaks schmecken. Sie kennet nur den brennenden betrügerischen Pfefferundzwiebelgeschmack über etwas Weichem. Doch füllten sie etwas anderes auf der Zunge, wär’s für sie keine Frikadelle mehr.