Von Margret Liede

Sie ist 48 Jahre alt, aufs Geldverdienen angewiesen. Sie würde gern einer geregelten Vollzeittätigkeit nachgehen, einen richtigen Beruf haben. Aber dafür fehlen ihr die Voraussetzungen. Dabei hatte sie einmal einen Beruf erlernt: Sie ist Friseuse. Seit Jahren hindert sie jedoch eine Allergie gegen Chemikalien daran, den Beruf auszuüben.

In einem anderen Beruf kann sie mit ihren Kenntnissen nichts anfangen. Friseur und Friseuse gehören nämlich zu den sogenannten „Sackgassenberufen“. Das sind Berufe, deren Qualifikation und Wissensbestand kaum in eine andere Tätigkeit, einen anderen Beruf eingebracht werden können, wenn man (aus welchen Gründen auch immer) aus dem erlernten Beruf ausscheiden muß.

Wer in eine solche Sackgasse gerät, kann nur durch eine radikale Kehrtwendung versuchen, wieder aus ihr herauszufinden. Kehrtwendung bedeutet in diesem Fall Umschulung. Umschulung ist das einzige Rezept für Leute mit Sackgassenberufen, die nach dem Verlust ihres Berufes nicht abqualifiziert (das heißt als An- oder Ungelernte) arbeiten wollen. Das tun gegenwärtig in der Bundesrepublik 20 Prozent aller Facharbeiter und Handwerksgesellen. Sie sind nicht in ihren erlernten Berufen tätig, sondern arbeiten als Angelernte oder Ungelernte zumeist in der Großindustrie.

Die ehemalige Friseuse müßte also umschulen, wenn sie nicht als Putzhilfe ihr Geld verdienen will. Aber eine Umschulung wird bei ihrem Alter und ihrem Mangel an schulischen Voraussetzungen kaum in Frage kommen. Beides, der Sackgassenberuf und die geringen schulischen Kenntnisse, machen diese älteren Arbeitssuchenden immobil.

Es gibt Mobilitäten nach oben und unten. Berufswechsler zum Beispiel erweisen sich zwar als mobil – nur führt ein beruflicher Wechsel noch längst nicht in jedem Fall zu einem beruflichen Aufstieg. Wie das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ermittelte, hat ein Drittel aller Männer, die 1970 berufstätig waren, zwischen 1955 und 1970 mindestens einmal den Beruf gewechselt. Doch mehr als die Hälfte (54 Prozent) dieser Berufswechsler konnten nach ihren eigenen Angaben nur wenig oder nichts von den Kenntnissen und Fertigkeiten aus dem ursprünglichen Beruf verwerten.

Die Berufswechsler bewegen sich dabei häufig von industriellen und handwerklichen Ausbildungsberufen (Lehrberufen) zu Berufen hin, für die es keinen direkten Zugang über eine betriebliche Berufsausbildung gibt.