Länger als mit jedem anderen ausländischen Besuchender letzten Jahre – drei Stunden – unterhielt sich der chinesische Parteiführer Mao Tse-tung am Dienstag mit dem amerikanischen Außenminister Kissinger bei dessen sechstem China-Besuch. Über den Inhalt der Unterredung wurde nichts bekannt.

Sehr aufgeschlossen waren auch die Zusammenkünfte Kissingers mit Ministerpräsident Tschou En-lai. Das beiderseitige Verhältnis habe gute Fortschritte gemacht, versicherte Kissinger. Amerika habe erfahren, daß es sich auf Chinas Wort verlassen könne. Die Normalisierung der Beziehungen werde fortschreiten, „was immer in der Zukunft geschieht und gleich unter welcher Regierung“. Die Freundschaft mit der Volksrepublik China sei einer der konstanten Faktoren der amerikanischen Außenpolitik.

Tschou En-lai nannte den Gast respektvoll einen „Mittelost-Tornado“ – mit Blick auf seine erfolgreiche Blitzdiplomatie. Zur Frage eines Amerika-Besuches sagte Tschou vor Journalisten: „Wie kann ich dorthin reisen, solange dort ein Vertreter der Tschiang-Kai-scheck-Clique ist?“ Er lehnte Voraussagen darüber ab, wann Washington mit Taiwan brechen werde.