Ein ZEIT-Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Schütz

ZEIT: Herr Regierender Bürgermeister, haben wir eine Berlinkrise? Steuern wir. auf eine zu? Oder ist das, was wir in jüngster Zeit erlebt haben, der Alltag nach Inkrafttreten des Viermächteabkommens?

Schütz: Weder noch. In der allgemeinen Situation zwischen den Großmächten gibt es überhaupt keinen Hinweis auf eine Berlinkrise. Es ist aber auch nicht der Alltag, sondern etwas dazwischen: Die DDR versucht, ohne das Spiel der Großen zu stören, ihre Beiträge zur Entspannung zu reduzieren. Nicht von ungefähr hat sie sich den Zeitpunkt der Nahostkrise ausgesucht, die Mindestumtauschquoten zu verdoppeln und – im Interview mit dem Neuen Deutschland – in Verfälschung des Viermächteabkommens einen Abbau der Bundespräsenz in Berlin zu fordern.

ZEIT: Wenn wir alles zusammennehmen, was in den letzten Wochen aus Ostberlin auf uns eingehagelt ist, die Verdoppelung derZwangsumtauschquoten, die falschen Interpretationen des Berlinabkommens durch die DDR und durch die Sowjetunion, die Herabstufung der Bindungen West-Berlins an die Bundesrepublik zu bloßen Verbindungen, die Proteste gegen das Bundesamt für Umweltschutz – muß man dann, wo schon nicht von einer Berlinkrise, vielleicht doch von einer Krise der Vertragspolitik mit dem Osten sprechen?

Schütz: Dieses könnte zu einer Krise der Vertragspolitik mit dem Osten werden, doch niemand auf unserer Seite sollte daran ein Interesse haben, ich glaube auch nicht, daß die Führung in Moskau ein Interesse an einer solchen Krise der Vertragspolitik hat. Es geht darum, die Kontroverse, soweit es möglich ist, zu begrenzen. Das muß auf verschiedenen Gebieten geschehen – durch die drei Mächte, durch die Bundesregierung und durch den Berliner Senat.

ZEIT: Ostberlin behauptet, im Viermächteabkommen stehe, die Bundespräsenz in West-Berlin müsse abgebaut werden; im übrigen gehe es um „Verbindungen“, nicht, um „Bindungen“. Was ist hierzu zu sagen? Und was kann man machen?

Schütz: Hier muß man mit dem Text des Abkommens antworten.