Bonn

Zu einem Nachfolger von Gandhi und Graf von Stauffenberg stilisierte sich der Mauerklopfer, Farbbeutelwerfer, Fallschirmspringer und Selbstentführer Professor Berthold Rubin (62) vor den Schranken des erweiterten Bonner Schöffengerichts empor. Während er selbst glaubte, eher einen Orden oder Helden-Verehrung zu verdienen, gab ihm das Gericht sechs Monate mit Bewährung. Die Selbstentführung des Kölner Byzantinisten, so fand Richter Erhard Väth, habe auf dem Gebiet des Paragraphen 145 d, der vorgetäuschten Straftat, „alles bisher Dagewesene übertroffen“. Als „Akt des Widerstands“ gegen die „verräterische Ostpolitik“ hatten sich der Professor und sein Freund Robert Metzger im Frühjahr 1971 selbst entführt, um „durch das Abspielen eines Horrorfilms“ die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein zugunsten der CDU zu beeinflussen. „Die Rolle des Widerstandskämpfers“, so stellte er seine eigene Lage vor Gericht dar, „ist so lange undankbar, wie nicht die Geschichte das letzte Urteil gesprochen hat.“

Nicht er, so ließ der Vorsitzende der CSU-Freundeskreise und durch andere Polit-Happenings bekannte Professor durchblicken, sondern die Brandt-Regierung gehöre eigentlich vor Gericht gestellt: Die Ostverträge seien verfassungswidrig und würden dem deutschen Volke zugefügtes Unrecht für Recht erklären. Er habe „Gandhis Form des gewaltlosen Kampfes ins Europäische übertragen“ und „an die Stelle von Graf Staufenbergs Bombe den Humor des Hauptmanns von Köpenick gesetzt“. Doch das Gericht konnte über diesen Humor nicht lachen, und den Widerstandskämpfer nahm es dem Wissenschaftler auch nicht ab: Wer bewußt den Wählerwillen verfälschen will, kann sich nicht gleichzeitig als Retter der Freiheit hinstellen.