ZEIT: Noch vor wenigen Jahren basierte unsere Energieversorgung fast ausschließlich auf der heimischen Kohle. Heute steht mit 55 Prozent importiertes Öl an erster Stelle. Haben die für unsere Energieversorgung verantwortlichen Männer die Bundesrepublik nicht leichtfertig in eine fatale Abhängigkeit geraten lassen, die uns jetzt zu einem leichten Opfer politischer Erpressungen werden läßt?

Abs: Wenn, wir allein in einer Ölimportabhängigkeit wären, würde ein Vorwurf gerechtfertigt sein. Aber wir sind ja im Konzert der übrigen Länder Europas. Es lag ja nahe, zugunsten des billigeren Öls die Steinkohlenförderung von 150 auf heute knapp 100 Millionen Tonnen jährlich zu senken. Wenn die Weichen nicht anders gestellt werden, wird die Produktion noch weiter zurückgehen. Immerhin hat es Stimmen gegeben – und auch ich habe mich in diesem Sinne geäußert, –, die davor gewarnt haben, die Kohleförderung so weit absinken zu lassen, weil wir uns damit in eine furchtbare Abhängigkeit begeben würden.

ZEIT: Herr Abs, Sie kennen als Berater die Wirtschaft der meisten arabischen Staaten. Wie lange könnten diese Länder einen Ölboykott durchhalten?

Abs: Zunächst würden sie ja wahrscheinlich nicht auf null gehen. Wenn sie die Preise verdoppeln, bekommen sie für die Hälfte genausoviel wie vorher fürs Ganze. Und dieses Spiel haben sie ja wundervoll eingefädelt. Natürlich sind diese Länder auf gewisse Lieferungen angewiesen. Aber nehmen Sie doch mal Abu Dhabi oder Bahrein oder Kuwait mit 20 000, 70 000, 170 000 Einwohnern. Die können das endlos aushalten. Außerdem könnten diese Länder – siehe die Äußerungen Gaddafis – ohne weiteres in die Armut der Vorölzeit zurückfallen. Ich glaube nicht, daß die Staatschefs vom Volk gezwungen würden, Konzessionen an die Ausländer zu machen. /

ZEIT: Also bleibt uns nur, zu resignieren?

Abs: Wenn Sie mich fragen würden, was ich mir vorstellen könnte, so wäre es dies: Wenn die westliche Welt – Amerika, Westeuropa, letzteres ein Gebiet, das die eigene Ohnmacht noch nicht voll begriffen hat, sonst würde es mehr den Mund halten – wenn die westliche Welt erklären könnte: Wir teilen lhnen hiermit verbindlich mit, daß wir in den nächsten zehn Jahren. jährlich nicht mehr Öl aus den Landern die uns mit Boykott bedrohen, abnehmen, als sie uns 1974 liefern, so wäre das etwas. Aber die arabische Welt muß an solche verbindlichen Erklärungen auch glauben können.

ZEIT: Und dazu hat sie, wie wir wissen, zur Zeit keinen Grund.